Interpretation: Duineser Elegien (1923)

10. Elegie: Die zehnte und letzte Elegie ist die nach Strophen und Versen längste und führt das Thema des Leids und des Leidens ein, das sich auch auf das bereits in anderen Texten (Das Stunden-Buch, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge) kritisierte Leiden in der Großstadt („Leidstadt“) erstreckt. Die verzehrende Sehnsucht nach der Vergangenheit („Einst waren wir reich.-“) und die Annäherung an „die Berge des Ur-Leids“ enden schließlich in einem Weg in die Tiefe, der zur „Quelle der Freude“ weist:

„Und wir, die an steigendes Glück
denken, empfänden die Rührung,
die uns beinah bestürzt,
wenn ein Glückliches fällt.“

Das Leben ist ein Auf und Ab, und das Glück beginnt am tiefsten Punkt des Leids – wer wollte dieser Erkenntnis widersprechen?