Kurt Tucholsky / Biographie

Anfang 1930 siedelte Tucholsky nach Schweden über, seine Ehe mit Mary Gerold war 1928 zerbrochen und seine Ernüchterung über den Zustand der deutschen Republik und über die Wirkung seiner publizistischen Arbeit mittlerweile so groß geworden, dass er sich mehr und mehr zurückzog. Er schrieb immer weniger und die Arbeiten der letzten Jahre lassen einen resignativen Zug erkennen. Die politische Situation in Deutschland spitzte sich weiter zu. Als Carl von Ossietzky 1931 wegen eines Weltbühne-Artikels zur Aufrüstung der Wehrmacht zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde, bezeichnete Tucholsky in der Weltbühne diesen „Hexenprozeß“ als „General-Quittung“. Doch als Ossietzky sich 1932 erneut vor Gericht verantworten musste, diesmal wegen Tucholskys Satz „Soldaten sind Mörder“ (der noch in den 1990er Jahren Gerichte beschäftigt), wagte Tucholsky es nicht mehr, eine Reise nach Deutschland anzutreten. Freunde hatten ihm dringend abgeraten, da er sich unnötig in Gefahr gebracht hätte. Doch bis zu seinem Tod nagte das Gefühl in ihm, falsch gehandelt zu haben.

Die „Reise ins Dritte Reich“, die nicht mehr aufzuhalten war, nahm Tucholsky schon lange wahr, 1932 brachte er dies in einem seiner Schnipsel genannten kurzen Texte zum Ausdruck: „Kerle wie Mussolini oder der Gefreite Hitler leben nicht so sehr von ihrer eignen Stärke wie von der Charakterlosigkeit ihrer Gegner. Um mich herum verspüre ich ein leises Wandern. Sie rüsten zur Reise ins Dritte Reich.“ (Reise ins Dritte Reich, 1932)

Nach Hitlers Machtergreifung wurden Tucholskys Schriften verbrannt, er stand auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nationalsozialisten, sein Vermögen wurde beschlagnahmt. Während seiner letzten Jahre äußerte sich Tucholsky nur noch in Briefen an Freunde zur politischen Situation in Deutschland, in Exilzeitschriften zu publizieren, lehnte er ab. Wie er mehrfach schrieb, war er „damit fertig.“ Gesundheitliche Probleme und die finanzielle Abhängigkeit von seiner letzten Gefährtin Hedwig Müller verstärkten seine resignative Stimmung noch. Am 20. Dezember 1935 nahm Tucholsky einen tödlichen Mix aus Schlaftabletten und Alkohol zu sich, ob aus Versehen oder Absicht, bleibt ungeklärt.