Literaturepoche Romantik

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der auch wichtige musikkritische Schriften hinterließ und dessen Kompositionen es verdienten, größere Beachtung im Konzertbetrieb zu finden, war eine der beiden herausragenden Gestalten der Spätromantik. Sein erzählerisches Werk konzentrierte sich auf das Phantastische und auf das Unerklärliche, Verborgene, Bedrohliche – gewissermaßen als Fortsetzung der ur-romantischen Faszination für die Nacht, die ein allgemeines Interesse an paranormalen Phänomenen wie Magnetismus und Mesmerismus erregt hatte. Mit seinen den Nachtseiten von Mensch und Natur zugewandten Werken wurde er zum Romantiker mit dem größten Einfluß auf die außerdeutsche Literatur; besonders in Frankreich gab es eine sehr intensive E.-T.-A.-Hoffmann-Rezeption. Seine Erzählungen (Fantasiestücke in Callots Manier, 1814–15, Nachtstücke – darin Der Sandmann –, 1816, Das Fräulein von Scuderi, 1820, Lebens-Ansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler, 1820–22) und sein Roman Die Elixiere des Teufels (1815–16) bilden ohne Zweifel einen unübertroffenen Höhepunkt der romantischen Prosa.

Ähnliches läßt sich bezüglich der Lyrik Joseph von Eichendorffs sagen. Ohne die Bedeutung seiner Romane (u. a. Ahnung und Gegenwart, 1815) und Erzählungen (allen voran Aus dem Leben eines Taugenichts, 1826) zu verleugnen, sind es seine Gedichte, die dem zweiten großen Spätromantiker eine hervorragende Position im Kontext seiner Epoche, aber auch der gesamten deutschen Literatur eingetragen haben. Die Musikalität der Sprache, die fast klassisch zu nennende Schlichtheit und der volksliedhafte Ton haben bewirkt, daß von allen nachfolgenden Generationen Texte wie Mondnacht (»Es war, als hätt' der Himmel ...«), Wem Gott will rechte Gunst erweisen, O Täler weit, o Höhen und Wünschelrute (»Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort, / Und die Welt fängt an zu singen, / triffst Du nur das Zauberwort«) und der hohe ästhetische Rang seiner Lyrik, unabhängig von teilweise  stark von Eichendorff divergierenden weltanschaulichen und  poetologischen Positionen, fast ausnahmslos anerkannt wurden.

Um Volksliedhaftigkeit hatte sich allerdings die gesamte Lyrik der Romantik bemüht, und so sind zahlreiche Gedichte dieser Epoche weit über die Grenzen von Literaten- und Wissenschaftlerkreisen hinaus bekannt geworden, etwa Novalis' Wenn alle untreu werden, Brentanos Der Spinnerin Lied, Max von Schenkendorfs Freiheit, die ich meine, Hauffs Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod, und Ludwig Uhlands Ich hatt' einen Kameraden. Eine besondere Stellung nimmt in dieser Hinsicht Wilhelm Müller ein, dessen Gedichte – nicht zuletzt durch Schuberts Vertonungen – den Charakter echter Volkslieder angenommen haben, so Das Wandern ist des Müllers Lust, Im Krug zum grünen Kranze, Am Brunnen vor dem Tore, Ich schnitt' es gern in alle Rinden ein etc.