Ungekürztes Werk "Schach von Wuthenow" von Theodor Fontane (Seite 32)

beispielsweise der Hang zu Schmuck und Putz, sich auch zu dieser Form der Quincaillerie hingezogen fühle. “Ja”, so fuhr er fort, “es gibt kaum einen Grad der Klugheit, der davor schützt. Sie werden doch alle Kalkreuth für einen klugen Mann halten, ja mehr, für einen Mann, der, wie wenige, von dem ‚alles ist eitel‘ unsres Tuns und Trachtens durchdrungen sein muß. Und doch, als er den roten Adler erhielt, während er den schwarzen erwartet hatte, warf er ihn wütend ins Schubfach und schrie: ‚Da liege, bis du schwarz wirst.‘ Eine Farbenänderung, die sich denn auch mittlerweile vollzogen hat.”

“Es ist mit Kalkreuth ein eigen Ding”, erwiderte Bülow, “und offen gestanden, ein andrer unserer Generäle, der gesagt haben soll: ‚Ich gäbe den schwarzen drum, wenn ich den roten wieder los wäre‘, gefällt mir noch besser. Übrigens bin ich minder streng, als es den Anschein hat. Es gibt auch Auszeichnungen, die nicht als Auszeichnung ansehn zu wollen einfach Beschränktheit oder niedrige Gesinnung wäre. Admiral Sidney Smith, berühmter Verteidiger von St. Jean d'Acre und Verächter aller Orden, legte doch Wert auf ein Schaustück, das ihm der Bischof von Acre mit den Worten überreicht hatte: ‚Wir empfingen dieses Schaustück aus den Händen König Richards Cœur de Lion, und geben es nach sechshundert Jahren einem seiner Landsleute zurück, der, heldenmütig wie er, unsre Stadt verteidigt hat.‘ Und ein Elender und Narr, setz ich hinzu, der sich einer solchen Auszeichnung nicht zu freuen versteht.”

“Schätze mich glücklich, ein solches Wort aus Ihrem Munde zu hören”, erwiderte der Prinz. “Es bestärkt mich in meinen Gefühlen für Sie, lieber Bülow, und ist mir, Pardon, ein neuer Beweis, daß der Teufel nicht halb so schwarz ist, als er gemalt wird.”

Der Prinz wollte weiter sprechen. Als aber in ebendiesem Augenblick einer der Diener an ihn herantrat und ihm zuflüsterte, daß der Rauchtisch arrangiert und der Kaffee serviert sei, hob er die Tafel auf und führte seine Gäste, während er Bülows Arm nahm, auf den an den Eßsaal angebauten Balkon. Eine große, blau und weiß gestreifte Marquise, deren Ringe lustig im Winde klapperten, war schon vorher herabgelassen worden, und unter ihren weit niederhängenden Fransen hinweg sah man, flußaufwärts, auf die halb im Nebel liegenden Türme der Stadt, flußabwärts aber auf die Charlottenburger Parkbäume, hinter deren eben ergrünendem Gezweige die Sonne niederging. Jeder blickte schweigend in das anmutige Landschaftsbild hinaus, und erst als die Dämmerung angebrochen und eine hohe Sinumbralampe gebracht worden war, nahm man Platz und setzte die holländischen Pfeifen in Brand, unter denen jeder nach Gefallen wählte. Dussek allein, weil er die Musikpassion des Prinzen kannte, war phantasierend an dem im Eßsaale stehenden Flügel zurückgeblieben und sah nur, wenn er den Kopf zur Seite wandte, die jetzt wieder lebhafter plaudernden Tischgenossen und ebenso die Lichtfunken, die von Zeit zu Zeit aus ihren Tonpfeifen aufflogen.

Das Gespräch hatte das Ordensthema nicht wieder aufgenommen, wohl aber sich der ersten Veranlassungen desselben, also Iffland und dem in Sicht stehenden neuen Schauspiele, zugewandt, bei welcher Gelegenheit Alvensleben bemerkte, “daß er einige der in den Text eingestreuten Gesangsstücke

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