Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 106)
war die Folge des strengen Gefängnisses; ich fühlte, daß mir körperlich aufgeholfen werden müsse, und lieb war es mir daher, als der Leibarzt erschien. Das Ärztliche war bald besprochen. »Ist es nicht«, fing nun der Leibarzt an, »eine besondere Fügung des Schicksals, daß eben in jenem Augenblick, als man davon überzeugt zu sein glaubt, daß Sie jener abscheuliche Mönch sind, der in der Familie des Barons von F. so viel Unheil anrichtete, dieser Mönch wirklich erscheint und Sie von jedem Verdacht rettet?«
»Ich muß versichern, daß ich von den näheren Umständen, die meine Befreiung bewirkten, nicht unterrichtet bin; nur im allgemeinen sagte mir der Richter, daß der Kapuziner Medardus, dem man nachspürte und für den man mich hielt, sich hier eingefunden habe.«
»Nicht eingefunden hat er sich, sondern hergebracht ist er worden, festgebunden auf einem Wagen, und seltsamerweise zu derselben Zeit, als Sie hergekommen waren. Eben fällt mir ein, daß, als ich Ihnen einst jene wunderbaren Ereignisse erzählen wollte, die sich vor einiger Zeit an unserm Hofe zutrugen, ich gerade dann unterbrochen wurde, als ich auf den feindlichen Medardus, Franceskos Sohn, und auf seine verruchte Tat im Schlosse von F. gekommen war. Ich nehme den Faden der Begebenheit da wieder auf, wo er damals abriß: Die Schwester unserer Fürstin, wie Sie wissen, Äbtissin im Zisterzienserkloster zu B., nahm einst freundlich eine arme Frau mit einem Kinde auf, die von der Pilgerfahrt nach der heiligen Linde wiederkehrte.«
»Die Frau war Franceskos Witwe, und der Knabe ebender Medardus.«
»Ganz recht, aber wie kommen Sie dazu, dies zu wissen?«
»Auf die seltsamste Weise sind mir die geheimnisvollen Lebensumstände des Kapuziners Medardus bekannt geworden. Bis zu dem Augenblick, als er aus dem Schloß des Barons von F. entfloh, bin ich von dem, was sich dort zutrug, genau unterrichtet.«
»Aber wie? ... Von wem?«
»Ein lebendiger Traum hat mir alles dargestellt.«
»Sie scherzen?«
»Keineswegs. Es ist mir wirklich so, als hätte ich träumend die Geschichte eines Unglücklichen gehört, der, ein Spielwerk dunkler Mächte, hin und her geschleudert und von Verbrechen zu Verbrechen getrieben wurde. In dem ...tzer Forst hatte mich auf der Reise hierher der Postillon irregefahren; ich kam in das Försterhaus, und dort ...«
»Ha! ich verstehe alles, dort trafen Sie den Mönch an ...«
»So ist es, er war aber wahnsinnig.«
»Er scheint es nicht mehr zu sein. Schon damals hatte er lichte Stunden und vertraute Ihnen alles?«
»Nicht geradezu. In der Nacht trat er, von meiner Ankunft im Försterhause nicht unterrichtet, in mein Zimmer. Ich, mit der treuen, beispiellosen Ähnlichkeit, war ihm furchtbar. Er hielt mich für seinen Doppeltgänger, dessen Erscheinung ihm den Tod verkünde. Er stammelte – stotterte Bekenntnisse her – und – willkürlich übermannte mich, von der Reise ermüdet, der Schlaf; es war mir, als spreche der Mönch nun ruhig und gefaßt weiter, und ich weiß in der Tat jetzt nicht, wo und wie der Traum eintrat. Es dünkt mich, daß der Mönch behauptete, nicht er habe Euphemien und Hermogen getötet, sondern beider Mörder sei der Graf Viktorin.«
»Sonderbar, höchst sonderbar, aber warum verschwiegen Sie das alles dem Richter?«
»Wie konnte ich hoffen, daß der