Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 48)

eine Karawane?«, ohne daß Christian oder einer von uns Bescheid gegeben. Endlich trat ich, während Christian Pferde und Wagen unterbrachte, ins Haus, das Christian geöffnet, und es kam mir ein großer, starker Mann mit sonnenverbranntem Gesicht, den großen Hut mit grünem Federbusch auf dem Kopf, übrigens im Hemde, nur die Pantoffeln an die Füße gesteckt, mit dem bloßen Hirschfänger in der Hand, entgegen, indem er mir barsch entgegenrief: »Woher des Landes? – Was turbiert man die Leute in der Nacht, das ist hier kein Wirtshaus, keine Poststation. – Hier wohnt der Revierförster, und das bin ich! – Christian ist ein Esel, daß er das Tor geöffnet.« Ich erzählte ganz kleinmütig meinen Unfall, und daß nur die Not uns hier hineingetrieben, da wurde der Mann geschmeidiger; er sagte: »Nun freilich, das Unwetter war gar heftig, aber der Postillon ist doch ein Schlingel, daß er falsch fuhr und den Wagen zerbrach. – Solch ein Kerl muß mit verbundenen Augen im Wald fahren können, er muß darin zu Hause sein wie unsereins.« – Er führte mich herauf, und indem er den Hirschfänger aus der Hand legte, den Hut abnahm und den Rock überwarf, bat er, seinen rauhen Empfang nicht übelzudeuten, da er hier in der abgelegenen Wohnung um so mehr auf der Hut sein müsse, als wohl öfters allerlei liederlich Gesindel den Wald durchstreife und er vorzüglich mit den sogenannten Freischützen, die ihm schon oft nach dem Leben getrachtet, beinahe in offner Fehde liege. »Aber«, fuhr er fort, »die Spitzbuben können mir nichts anhaben, denn mit der Hilfe Gottes verwalte ich mein Amt treu und redlich, und im Glauben und Vertrauen auf ihn und auf mein gut Gewehr biete ich ihnen Trotz.« – Unwillkürlich schob ich, wie ich es noch oft aus alter Gewohnheit nicht lassen konnte, einige salbungsvolle Worte über die Kraft des Vertrauens auf Gott ein, und der Förster erheiterte sich immer mehr und mehr. Meiner Protestationen unerachtet, weckte er seine Frau, eine betagte, aber muntre rührige Matrone, die, wiewohl aus dem Schlafe gestört, doch freundlich den Gast bewillkommnete und auf des Mannes Geheiß sogleich ein Abendessen zu bereiten anfing. Der Postillon sollte, so hatte es ihm der Förster als Strafe aufgegeben, noch in derselben Nacht mit dem zerbrochenen Wagen auf die Station zurück, von der er gekommen, und ich von ihm, dem Förster, nach meinem Belieben auf die nächste Station gebracht werden. Ich ließ mir das um so eher gefallen, als mir selbst wenigstens eine kurze Ruhe nötig schien. Ich äußerte deshalb dem Förster, daß ich wohl bis zum Mittag des folgenden Tages dazubleiben wünsche, um mich ganz von der Ermüdung zu erholen, die mir das beständige, unaufhörliche Fahren mehrere Tage hindurch verursacht. »Wenn ich Ihnen raten soll, mein Herr«, erwiderte der Förster, »so bleiben Sie morgen den ganzen Tag über hier und warten Sie bis übermorgen, da bringt Sie mein ältester Sohn, den ich in die fürstliche Residenz schickte, selbst bis auf die nächste Station.« Auch damit war ich zufrieden, indem ich die Einsamkeit des Orts rühmte, die mich

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