Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 60)
glücklicher Schuß in jener aufgeregten entsetzlichen Stimmung, den doch nur der Zufall herbeigeführt, erfüllte mich mit Grauen. Mit meinem Selbst mehr als jemals entzweit, wurde ich mir selbst zweideutig, und ein inneres Grausen umfing mein eigenes Wesen mit zerstörender Kraft.
Als wir ins Haus zurückkamen, berichtete Christian, daß der Mönch sich im Turm ganz ruhig verhalten, kein einziges Wort gesprochen und auch keine Nahrung zu sich genommen habe. »Ich kann ihn nun nicht länger bei mir behalten«, sprach der Förster, »denn wer steht mir dafür, daß sein, wie es scheint, unheilbarer Wahnsinn nach langer Zeit nicht aufs neue ausbricht und er irgendein entsetzliches Unheil hier im Hause anrichtet; er muß morgen in aller Frühe mit Christian und Franz nach der Stadt; mein Bericht über den ganzen Vorgang ist längst fertig, und da mag er denn in die Irrenanstalt gebracht werden.«
Als ich in meinem Gemach allein war, stand mir Hermogens Gestalt vor Augen, und wenn ich sie fassen wollte mit schärferem Blick, wandelte sie sich um in den wahnsinnigen Mönch. Beide flossen in meinem Gemüt in eins zusammen und bildeten so die Warnung der höhern Macht, die ich wie dicht vor dem Abgrunde vernahm. Ich stieß an die Korbflasche, die noch auf dem Boden lag; der Mönch hatte sie bis auf den letzten Tropfen ausgeleert, und so war ich jeder neuen Versuchung, davon zu genießen, enthoben, aber auch selbst die Flasche, aus der noch ein starker berauschender Duft strömte, schleuderte ich fort durch das offne Fenster über die Hofmauer weg, um so jede mögliche Wirkung des verhängnisvollen Elixiers zu vernichten. – – Nach und nach wurde ich ruhiger, ja der Gedanke ermutigte mich, daß ich auf jeden Fall in geistiger Hinsicht erhaben sein müsse über jenen Mönch, den das dem meinigen gleiche Getränk in wilden Wahnsinn stürzte. Ich fühlte, wie dies entsetzliche Verhängnis bei mir vorübergestreift; ja daß der alte Förster den Mönch eben für den unglücklichen Medardus, für mich selbst, hielt, war mir ein Fingerzeig der höheren, heiligen Macht, die mich noch nicht sinken lassen wollte in das trostlose Elend. – Schien nicht der Wahnsinn, der überall sich mir in den Weg stellte, nur allein vermögend, mein Inneres zu durchblicken und immer dringender vor dem bösen Geiste zu warnen, der mir, wie ich glaubte, sichtbarlich in der Gestalt des bedrohlichen gespenstischen Malers erschienen? –
Unwiderstehlich zog es mich fort nach der Residenz. Die Schwester meiner Pflegemutter, die, wie ich mich besann, der Äbtissin ganz ähnlich war, da ich ihr Bild öfters gesehen, sollte mich wieder zurückführen in das fromme schuldlose Leben, wie es ehemals mir blühte, denn dazu bedurfte es in meiner jetzigen Stimmung nur ihres Anblicks und der dadurch erweckten Erinnerungen. Dem Zufall wollte ich es überlassen, mich in ihre Nähe zu bringen.
Kaum war es Tag geworden, als ich des Försters Stimme im Hofe vernahm; früh sollte ich mit dem Sohne abreisen, ich warf mich daher schnell in die Kleider. Als ich herabkam, stand ein Leiterwagen mit Strohsitzen zum Abfahren bereit vor der Haustür; man brachte den Mönch, der mit totenbleichem