Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 61)
und verstörtem Gesicht sich geduldig führen ließ. Er antwortete auf keine Frage, er wollte nichts genießen, kaum schien er die Menschen um sich zu gewahren. Man hob ihn auf den Wagen und band ihn mit Stricken fest, da sein Zustand allerdings bedenklich schien und man vor dem plötzlichen Ausbruch einer innern verhaltenen Wut keineswegs sicher war. Als man seine Arme festschnürte, verzog sich sein Gesicht krampfhaft, und er ächzte leise. Sein Zustand durchbohrte mein Herz, er war mir verwandt geworden, ja nur seinem Verderben verdankte ich vielleicht meine Rettung. Christian und ein Jägerbursche setzten sich neben ihm in den Wagen. Erst im Fortfahren fiel sein Blick auf mich, und er wurde plötzlich von tiefem Staunen ergriffen; als der Wagen sich schon entfernte – wir waren ihm bis vor die Mauer gefolgt –, blieb sein Kopf gewandt und sein Blick auf mich gerichtet. »Sehen Sie«, sagte der alte Förster, »wie er Sie so scharf ins Auge faßt; ich glaube, daß Ihre Gegenwart im Speisezimmer, die er nicht vermutete, auch viel zu seinem rasenden Beginnen beigetragen hat, denn selbst in seiner guten Periode blieb er ungemein scheu und hatte immer den Argwohn, daß ein Fremder kommen und ihn töten würde. Vor dem Tode hat er nämlich eine ganz ungemessene Furcht, und durch die Drohung, ihn gleich erschießen zu lassen, habe ich oft den Ausbrüchen seiner Raserei widerstanden.«
Mir war wohl leicht, daß der Mönch, dessen Erscheinung mein eignes Ich in verzerrten gräßlichen Zügen reflektierte, entfernt worden. Ich freute mich auf die Residenz, denn es war mir, als solle dort die Last der schweren finstern Verhängnisse, die mich niedergedrückt, mir entnommen werden, ja als würde ich mich dort, erkräftigt, der bösen Macht, die mein Leben befangen, entreißen können. Als das Frühstück verzehrt, fuhr der saubre, mit raschen Pferden bespannte Reisewagen des Försters vor. – Kaum gelang es mir, der Frau für die Gastlichkeit, mit der ich aufgenommen, etwas Geld sowie den beiden bildhübschen Töchtern einige Galanteriewaren, die ich zufällig bei mir trug, aufzudringen. Die ganze Familie nahm so herzlichen Abschied, als sei ich längst im Hause bekannt gewesen. Der Alte scherzte noch viel über mein Jägertalent. Heiter und froh fuhr ich von dannen.
Vierter Abschnitt
DAS LEBEN AM FÜRSTLICHEN HOFE
Die Residenz des Fürsten bildete gerade den Gegensatz zu der Handelsstadt, die ich verlassen. Im Umfange bedeutend kleiner, war sie regelmäßiger und schöner gebaut, aber ziemlich menschenleer. Mehrere Straßen, worin Alleen gepflanzt, schienen mehr Anlagen eines Parks zu sein als zur Stadt zu gehören; alles bewegte sich still und feierlich, selten von dem rasselnden Geräusch eines Wagens unterbrochen. Selbst in der Kleidung und in dem Anstande der Einwohner bis auf den gemeinen Mann herrschte eine gewisse Zierlichkeit, ein Streben, äußere Bildung zu zeigen.
Der fürstliche Palast war nichts weniger als groß, auch nicht im großen Stil erbaut, aber rücksichts der Eleganz, der richtigen Verhältnisse eines der schönsten Gebäude, die ich jemals gesehen; an ihn schloß sich ein anmutiger Park, den der liberale Fürst den Einwohnern zum Spaziergange geöffnet.
Man sagte mir in dem Gasthause, wo ich eingekehrt,