Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 71)
jenes feindselige Prinzip gedrungen, in tausend Unannehmlichkeiten, ja in offenbare Not stürzen, da er doch nur, durch die Umstände veranlaßt, spielte. Ich darf es gestehen, gnädigster Herr, daß ich selbst gestern im Begriff stand, meine ganze Reisekasse gesprengt zu sehen.« – »Das hätte ich erfahren«, fiel der Fürst rasch ein, »und Ihnen den Verlust dreidoppelt ersetzt, denn ich will nicht, daß sich jemand meines Vergnügens wegen ruiniere, überhaupt kann das bei mir nicht geschehen, da ich meine Spieler kenne und sie nicht aus den Augen lasse.« – »Aber eben diese Einschränkung, gnädigster Herr«, erwiderte ich, »hebt wieder die Freiheit des Spiels auf und setzt selbst jenen besonderen Verknüpfungen des Zufalls Schranken, deren Betrachtung Ihnen, gnädigster Herr, das Spiel so interessant macht. Aber wird nicht auch dieser oder jener, den die Leidenschaft des Spiels unwiderstehlich ergriffen, Mittel finden, zu seinem eigenen Verderben der Aufsicht zu entgehen, und so ein Mißverhältnis in sein Leben bringen, das ihn zerstört? – Verzeihen Sie meine Freimütigkeit, gnädigster Herr! – Ich glaube überdem, daß jede Einschränkung der Freiheit, sollte diese auch gemißbraucht werden, drückend, ja als dem menschlichen Wesen schnurstracks entgegenstrebend, unausstehlich ist.« – »Sie sind nun einmal, wie es scheint, überall nicht meiner Meinung, Herr Leonard«, fuhr der Fürst auf und entfernte sich rasch, indem er mir ein leichtes »Adieu« zuwarf. Kaum wußte ich selbst, wie ich dazu gekommen, mich so offenherzig zu äußern; ja ich hatte niemals, unerachtet ich in der Handelsstadt oft an bedeutenden Banken als Zuschauer stand, genug über das Spiel nachgedacht, um meine Überzeugung im Innern so zu ordnen, wie sie mir jetzt unwillkürlich von den Lippen floß. Es tat mir leid, die Gnade des Fürsten verscherzt und das Recht verloren zu haben, im Zirkel des Hofes erscheinen und der Fürstin nähertreten zu dürfen. Ich hatte mich indessen geirrt, denn noch denselben Abend erhielt ich eine Einladungskarte zum Hofkonzert, und der Fürst sagte im Vorbeistreifen mit freundlichem Humor zu mir: »Guten Abend, Herr Leonard, gebe der Himmel, daß meine Kapelle heute Ehre einlegt und meine Musik Ihnen besser gefällt als mein Park.« –
Die Musik war in der Tat recht artig, es ging alles präzis, indessen schien mir die Wahl der Stücke nicht glücklich, indem eins die Wirkung des andern vernichtete, und vorzüglich erregte mir eine lange Szene, die mir wie nach einer aufgegebenen Formel komponiert zu sein schien, herzliche Langeweile. Ich hütete mich wohl, meine wahre innere Meinung zu äußern, und hatte um so klüger daran getan, als man mir in der Folge sagte, daß ebenjene lange Szene eine Komposition des Fürsten gewesen.
Ohne Bedenken fand ich mich in dem nächsten Zirkel des Hofes ein und wollte selbst am Pharospiel teilnehmen, um den Fürsten ganz mit mir auszusöhnen, aber nicht wenig erstaunte ich, als ich keine Bank erblickte, vielmehr sich einige gewöhnliche Spieltische formten und unter den übrigen Herren und Damen, die sich im Zirkel um den Fürsten setzten, eine lebhafte geistreiche Unterhaltung begann. Dieser oder jener wußte manches Ergötzliche zu erzählen, ja Anekdoten mit scharfer Spitze wurden nicht verschmäht; meine Rednergabe