Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 73)
unten im Hause. Ich unterschied die Stimme des Wirts und eines Mannes, der unaufhörlich schrie: ›Verdammt sei Ihr Haus, wäre ich nie über die Schwelle getreten. – Der Teufel hat mich in Ihr Haus geführt, wo man nichts trinken, nichts genießen kann! – Alles ist infam schlecht und hundemäßig teuer. – Da haben Sie Ihr Geld, adieu, Sie sehn mich nicht wieder in Ihrer vermaledeiten Kneipe.‹ – Damit sprang ein kleiner, winddürrer Mann in einem kaffeebraunen Rock und fuchsroter runder Perücke, auf die er einen grauen Hut ganz schief und martialisch gestülpt, schnell zum Hause heraus und lief nach dem Stall, aus dem ich ihn bald auf einem ziemlich steifen Gaul in schwerfälligem Galopp zum Hofe hinausreiten sah. –
Natürlicherweise hielt ich ihn für einen Fremden, der sich mit dem Wirte entzweit habe und nun abgereiset sei; eben deshalb nahm es mich nicht wenig wunder, als ich mittags, da ich mich in der Wirtsstube befand, dieselbe komische kaffeebraune Figur mit der fuchsroten Perücke, welche des Morgens hinausritt, eintreten und ohne Umstände an dem gedeckten Tisch Platz nehmen sah. Es war das häßlichste und dabei possierlichste Gesicht, das mir jemals aufstieß. In dem ganzen Wesen des Mannes lag so etwas drollig Ernstes, daß man, ihn betrachtend, sich kaum des Lachens enthalten konnte. Wir aßen miteinander, und ein wortkarges Gespräch schlich zwischen mir und dem Wirt hin, ohne daß der Fremde, der gewaltig aß, daran Anteil nehmen wollte. Offenbar war es, wie ich nachher einsah, Bosheit des Wirts, daß er das Gespräch geschickt auf nationelle Eigentümlichkeiten lenkte und mich geradezu frug, ob ich wohl schon Irländer kennengelernt und von ihren sogenannten Bulls etwas wisse. ›Allerdings!‹ erwiderte ich, indem mir gleich eine ganze Reihe solcher Bulls durch den Kopf ging. Ich erzählte von jenem Irländer, der, als man ihn frug, warum er den Strumpf verkehrt angezogen, ganz treuherzig antwortete: ›Auf der rechten Seite ist ein Loch!‹ – Es kam mir ferner der herrliche Bull jenes Irländers in den Sinn, der mit einem jähzornigen Schotten zusammen in einem Bette schlief und den bloßen Fuß unter der Decke hervorgestreckt hatte. Nun bemerkte dies ein Engländer, der im Zimmer befindlich, und schnallte flugs dem Irländer den Sporn an den Fuß, den er von seinem Stiefel heruntergenommen. Der Irländer zog schlafend den Fuß wieder unter die Decke und ritzte mit dem Sporn den Schotten, der darüber aufwachte und dem Irländer eine tüchtige Ohrfeige gab. Darauf entspann sich unter ihnen folgendes sinnreiche Gespräch: ›Was zum Teufel ficht dich an, warum schlägst du mich?‹ – ›Weil du mich mit deinem Sporn geritzt hast!‹ – ›Wie ist das möglich, da ich mit bloßen Füßen bei dir im Bette liege?‹ – ›Und doch ist es so, sieh nur her.‹ – ›Gott verdamm mich, du hast recht, hat der verfluchte Kerl von Hausknecht mir den Stiefel ausgezogen und den Sporn sitzenlassen.‹ – Der Wirt brach in ein unmäßiges Gelächter aus, aber der Fremde, der eben mit dem Essen fertig geworden und ein großes Glas Bier heruntergestürzt hatte, sah mich ernst an und sprach: