Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 49)
das Seinige und sprang von den Mißgeburten auf die Katzenbergerischen Geburten, um vorzüglich dessen Hämatologie zu huldigen, worin, sagt' er, Paragraphen wären, ohne welche er manche glückliche Bemerkungen gar nicht hätte machen können. »Schön«, versetzte der Doktor, »so denkt wohl nur ein äußerst parteiischer und guter Mann wie Sie; – denn außer Ihnen gibts nur noch einen Leser, der gern alles redlich tut, was ihm Bücher vorschreiben, nämlich den Buchbinder, der jedes Wort an den Buchbinder befolgt – aber Sie sollten meinen Hund von Rezensenten kennen und dagegen halten. Himmel, wie bellt der Zerberus, zwar nicht mit drei Köpfen, aber aus sieben Hundhütten und an sieben Ketten, gegen mich! – – Ich wollt, ich hätte ihn da; ich wollte jetzt alles tun, da ich eben getrunken, was ich ihm längst geschworen, nämlich meine Blut-Machlehre (die haematologia) an ihm selber erproben. – Oder gibt es etwas Sündlicheres, als wenn ein Narr – bloß weil er sieben Zeitungen dazu frei hat, wie zu sieben Türmen – die sieben Weisen spielt und sieben Todsünden begeht, um als einziger Zeuge vermittelst einer bösen literarischen Heptarchie seinen Ausspruch zu besiebnen? Ich kann von der bösen Sieben gar nicht los; aber ich werde, sollt ich denken, in jedem Falle den Mann ausprügeln, erwisch ich ihn. Hier faß ich zum Glück den redlichen Stryk an der Hand, der denkt wie ich, wenn nicht zehnmal besser. Diesem Magen übergeb ich mich – denn ich meine Magus, nicht Stomachus –, und er entscheide; für mich ist er der große Thor (ich spreche zwar nach einem Glas Wein, aber ich weiß recht gut, daß Thor unser erster altdeutscher heilender Gott gewesen) – der sage hier ... was wollt ich denn sagen? Nun, mir gilts sehr gleich, und die Sache ist ohnehin klar und fest genug. Kurz – –«
»Ich errate unsern guten Autor«, sagte Strykius, »denn vielleicht kann ich, als alter Leser seiner witzreichen Werke, ihn wenigstens zum Teil würdigen. Man kennt diesen tiefen Mann, er verzeihe mir sein Lob ins Gesicht, nur wenig, wenn man nicht seine gelehrte und seine witzige Seite zugleich bewundert und unterscheidet, die er beide so eng verschmelzt; aber er hat nun einmal, um spaßhaft-gemein zu sprechen, Haar im Mund.« – »Aber ich habe sie eben zwischen den Zähnen«, versetzte er, einen Truthahn-Hals an der Gabel aufhebend; »ich wünschte, mancher hätte soviel Haarwuchs auf dem Kopfe als der Truthahn hier am Halse, und solche herrliche Haarzwiebeln wären auf eine bessere Haut und Glatze gesäet, als ich eben käuen muß.«
»Ich tadle aber doch die Sauce dabei«, fiel ein ältlicher, mehr blöd- und fünfsinniger als scharfsinniger Posthalter ein, »sie will mir fast wie abgeschmackt schmecken; aber jeder hat freilich seinen Geschmack.« – »Abgeschmackt, Herr Posthalter«, sagte der Doktor und hielt lange inne, »nennen die Physiologen alles, was weniger Salz enthält als ihr eigner Speichel; daher sind Sie, wegen des Ungesalzenen, wahrscheinlich ein Mann von Salz, ich meine den Speichel.« –
Eine schwergeputzte Landjunkerin, die ihren Kahlschädel mit einem Prunk- und Titular-Haar gekrönt, merkte (aber nicht leise genug, weil sie