Literaturepoche Zwischen Klassik und Romantik

In seinen Erzählungen und Romanen (u. a. Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal. Eine Art Idylle, 1793, Hesperus oder die 45 Hundsposttage, 1795, Leben des Quintus Fixlein, aus 15 Zettelkästen gezogen, nebst einem Mußteil und einigen Jus de Tablette, 1796, Flegeljahre, 1804, Dr. Katzenbergers Badereise, 1808) läßt er einen Kosmos teils wechselnder, teils wieder auftauchender skurriler Figuren entstehen, von denen auch seine drei großen Werke erfüllt sind: Der Titan (1800–1803) mit dem bitter-sarkastischen Anhang Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch, einer der großen Bildungsromane der deutschen Literatur, in dem das Erwachsenwerden des Jünglings Albano erzählt wird, verflochten mit einer undurchschaubaren, scheinbar trivialen Intrigenhandlung und der Auseinandersetzung mit der Philosophie Fichtes; Der Komet oder Nikolaus Markgraf (1820–1822), sein letzter, unvollendeter Roman, die absurd-komische Geschichte eines fränkischen Don Quixote, die mit dem Wort »Entsetzen« abbricht, und, schließlich Jean Pauls Meisterwerk: Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichmarktflecken Kuhschnappel (1796/97).

Als eine in sich geschlossene Welt enthält dieser, bei aller gewollt barockisierenden Erzählhaltung außerordentlich unkonventionelle Roman einen Reichtum an Stimmungen, Themen und Einzelbeobachtungen, der an die großen narrativen Werke der europäischen Moderne denken läßt. Handfeste Gesellschaftssatire wechselt sich ab mit der hintergründigen Durchleuchtung des Problems der Identität, kabarettähnliche Szenen aus einer bürgerlichen Ehe kontrastieren mit dem apokalyptischen Traum, der in der Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei kulminiert (welche die französische Romantik stark beeinflußte), an Nonsense grenzende Betrachtungen und Episoden durchkreuzen eine romantisch-idealistische, ohne jegliche Ironie erzählte Liebesgeschichte.

Ein Schriftsteller wie Jean Paul ist mir noch nicht vorgekommen, unter allem, was ich seit jeher gelesen habe. Eine solche Verbindung von Witz, Phantasie und Empfindsamkeit möchte auch wohl ungefähr das in der Schriftsteller-Welt sein, was die große Konjunktion dort oben am Planeten-Himmel ist. Einen allmächtigern Gleichnis-Schöpfer kenn ich gar nicht, notierte Georg Christoph Lichtenberg.