Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 26)
Frieren haben als von vorn anfangen. Das ist ein Gezerre, Ihr glaubt's nicht, bis man den Perükken ein Urteil vom Herzen reißt; und was hat man darnach? Der Teufel hol den Assessor Sapupi! 's is ein verfluchter schwarzer Italiener.
BRÄUTIGAM: Ja, das ist ein toller Kerl. Zweimal war ich dort.
BRAUTVATER: Und ich dreimal. Und seht, ihr Herrn: kriegen wir ein Urteil endlich, wo ich soviel Recht hab als er und er soviel als ich und wir eben stunden wie die Maulaffen, bis mir unser Herrgott eingab, ihm meine Tochter zu geben und das Zeug dazu.
GÖTZ trinkt: Gut Vernehmen künftig!
BRAUTVATER: Geb's Gott! Geh aber, wie's will, prozessieren tu ich mein Tag nit mehr. Was das ein Geldspiel kost! Jeden Reverenz, den Euch ein Prokurator macht, müßt Ihr bezahlen.
SELBITZ: Sind ja jährlich kaiserliche Visitationen da.
BRAUTVATER: Hab nichts davon gespürt. Ist mir mancher schöne Taler nebenaus gangen. Das unerhörte Blechen!
GÖTZ: Wie meint Ihr?
BRAUTVATER: Ach, da macht alles hohle Pfötchen. Der Assessor allein, Gott verzeih's ihm, hat mir achtzehn Goldgulden abgenommen.
BRÄUTIGAM: Wer?
BRAUTVATER: Wer anders als der Sapupi!
GÖTZ: Das ist schändlich.
BRAUTVATER: Wohl, ich mußt ihm zwanzig erlegen. Und da ich sie ihm hingezahlt hatte in seinem Gartenhaus, das prächtig ist, im großen Saal, wollt mir vor Wehmut fast das Herz brechen. Denn seht, eines Haus und Hof steht gut, aber wo soll bar Geld herkommen? Ich stund da, Gott weiß, wie mir's war. Ich hatte keinen roten Heller Reisegeld im Sack. Endlich nahm ich mir 's Herz und stellt's ihm vor. Nun er sah, daß mir 's Wasser an die Seele ging, da warf er mir zwei davon zurück und schickt' mich fort.
BRÄUTIGAM: Es ist nicht möglich! Der Sapupi?
BRAUTVATER: Wie stellst du dich! Freilich! Kein andrer!
BRÄUTIGAM: Den soll der Teufel holen, er hat mir auch funfzehn Goldgülden abgenommen!
BRAUTVATER: Verflucht!
SELBITZ: Götz! Wir sind Räuber!
BRAUTVATER: Drum fiel das Urteil so scheel aus. Du Hund!
GÖTZ: Das müßt ihr nicht ungerügt lassen.
BRAUTVATER: Was sollen wir tun?
GÖTZ: Macht euch auf nach Speyer, es ist eben Visitationszeit, zeigt's an, sie müssen's untersuchen und euch zu dem Eurigen helfen.
BRÄUTIGAM: Denkt Ihr, wir treiben's durch?
GÖTZ: Wenn ich ihm über die Ohren dürfte, wollt ich's euch versprechen.
SELBITZ: Die Summe ist wohl einen Versuch wert.
GÖTZ: Bin ich wohl eher um des vierten Teils willen ausgeritten.
BRAUTVATER: Wie meinst du?
BRÄUTIGAM: Wir wollen, geh's, wie's geh.
Georg Kommt.
GEORG: Die Nürnberger sind im Anzug.
GÖTZ: Wo?
GEORG: Wenn wir ganz sachte reiten, packen wir sie zwischen Beerheim und Mühlbach im Wald.
SELBITZ: Trefflich!
GÖTZ: Kommt, Kinder. Gott grüß euch! Helf uns allen zum Unsrigen!
BAUER: Großen Dank! Ihr wollt nicht zum Nacht-Ims bleiben?
GÖTZ: Können nicht. Adies.
DRITTER AKT
Augsburg
Ein Garten
Zwei Nürnberger Kaufleute.
ERSTER KAUFMANN: Hier wollen wir stehn, denn da muß der Kaiser vorbei. Er kommt eben den langen Gang herauf.
ZWEITER KAUFMANN: Wer ist bei ihm?
ERSTER KAUFMANN: Adelbert von Weislingen.
ZWEITER KAUFMANN: Bambergs Freund! Das ist gut.
ERSTER KAUFMANN: Wir wollen einen Fußfall tun, und ich will reden.
ZWEITER KAUFMANN: Wohl, da kommen sie.
Kaiser. Weislingen.
ERSTER KAUFMANN: Er sieht verdrießlich aus.
KAISER: Ich bin unmutig, Weislingen, und wenn ich auf mein vergangenes Leben zurück sehe, möcht ich verzagt