Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 30)

aus, beruhige dich, und nimm was zu dir.

FRANZ: Eure Sorgfalt für einen armen Jungen! Ab.

ADELHEID: Die Tränen stehn ihm in den Augen. Ich lieb ihn von Herzen. So wahr und warm hat noch niemand an mir gehangen. Ab.

Jagsthausen

Götz. Georg.

GEORG: Er will selbst mit Euch sprechen. Ich kenn ihn nicht; es ist ein stattlicher Mann mit schwarzen feurigen Augen.

GÖTZ: Bring ihn herein.

Lerse kommt.

GÖTZ: Gott grüß Euch! Was bringt Ihr?

LERSE: Mich selbst; das ist nicht viel, doch alles, was es ist, biet ich Euch an.

GÖTZ: Ihr seid mir willkommen, doppelt willkommen, ein braver Mann, und zu dieser Zeit, da ich nicht hoffte, neue Freunde zu gewinnen, eher den Verlust der alten stündlich fürchtete. Gebt mir Euern Namen.

LERSE: Franz Lerse.

GÖTZ: Ich danke Euch, Franz, daß Ihr mich mit einem braven Mann bekannt macht.

LERSE: Ich machte Euch schon einmal mit mir bekannt, aber damals danktet Ihr mir nicht dafür.

GÖTZ: Ich erinnere mich Eurer nicht.

LERSE: Es wäre mir leid. Wißt Ihr noch, wie Ihr um des Pfalzgrafen willen Konrad Schotten feind wart und nach Haßfurt auf die Fastnacht reiten wolltet?

GÖTZ: Wohl weiß ich es.

LERSE: Wißt Ihr, wie Ihr unterwegs bei einem Dorf fünfundzwanzig Reitern entgegenkamt?

GÖTZ: Richtig. Ich hielt sie anfangs nur für zwölfe und teilt meinen Haufen, waren unser sechzehn, und hielt am Dorf hinter der Scheuer, in willens, sie sollten bei mir vorbeiziehen. Dann wollt ich ihnen nachrucken, wie ich's mit dem andern Haufen abgeredt hatte.

LERSE: Aber wir sahn Euch und zogen auf eine Höhe am Dorf. Ihr zogt herbei und hieltet unten. Wie wir sahn, Ihr wolltet nicht heraufkommen, ritten wir herab.

GÖTZ: Da sah ich erst, daß ich mit der Hand in die Kohlen geschlagen hatte. Fünfundzwanzig gegen acht! Da galt's kein Feiern. Erhard Truchseß durchstach mir einen Knecht, dafür rannt ich ihn vom Pferde. Hätten sie sich alle gehalten wie er und ein Knecht, es wäre mein und meines kleinen Häufchens übel gewahrt gewesen.

LERSE: Der Knecht, wovon Ihr sagtet –

GÖTZ: Es war der bravste, den ich gesehen habe. Er setzte mir heiß zu. Wenn ich dachte, ich hätt ihn von mir gebracht, wollte mit andern zu schaffen haben, war er wieder an mir und schlug feindlich zu. Er hieb mir auch durch den Panzerärmel hindurch, daß es ein wenig gefleischt hatte.

LERSE: Habt Ihr's ihm verziehen?

GÖTZ: Er gefiel mir mehr als zu wohl.

LERSE: Nun, so hoff ich, daß Ihr mit mir zufrieden sein werdet; ich hab mein Probstück an Euch selbst abgelegt.

GÖTZ: Bist du's? O willkommen, willkommen! Kannst du sagen, Maximilian, du hast unter deinen Dienern einen so geworben!

LERSE: Mich wundert, daß Ihr nicht eh auf mich gefallen seid.

GÖTZ: Wie sollte mir einkommen, daß der mir seine Dienste anbieten würde, der auf das feindseligste mich zu überwältigen trachtete?

LERSE: Eben das, Herr! Von Jugend auf dien ich als Reitersknecht und hab's mit manchem Ritter aufgenommen. Da wir auf Euch stießen, freut ich mich. Ich kannte Euern Namen, und da lernt ich Euch kennen. Ihr wißt, ich hielt nicht stand; Ihr saht, es war nicht Furcht, denn ich kam wieder. Kurz, ich

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