Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 113)

wurden Sie geliebt. Nun, Herr Leonard, oder vielmehr Herr von Krczynski, Sie sind von Adel, ich fixiere Sie bei Hofe auf eine Art, die Ihnen angenehm sein soll. Sie heiraten Aurelien. In einigen Tagen feiern wir die Verlobung, ich selbst werde die Stelle des Brautvaters vertreten.« – Stumm, von den widersprechendsten Gefühlen zerrissen, stand ich da. – »Adieu, Herr Leonard!« rief der Fürst und verschwand, mir freundlich zuwinkend, aus dem Zimmer.

Aurelie mein Weib! – Das Weib eines verbrecherischen Mönchs! Nein! So wollen es die dunklen Mächte nicht, mag auch über die Arme verhängt sein, was da will! – Dieser Gedanke erhob sich in mir, siegend über alles, das sich dagegen auflehnen mochte. Irgendein Entschluß, das fühlte ich, mußte auf der Stelle gefaßt werden, aber vergebens sann ich auf Mittel, mich schmerzlos von Aurelien zu trennen. Der Gedanke, sie nicht wiederzusehen, war mir unerträglich, aber daß sie mein Weib werden sollte, das erfüllte mich mit einem mir selbst unerklärlichen Abscheu. Deutlich ging in mir die Ahnung auf, daß, werde der verbrecherische Mönch vor dem Altar des Herrn stehen, um mit heiligen Gelübden freveliges Spiel zu treiben, jenes fremden Malers Gestalt, aber nicht milde tröstend wie im Gefängnis, sondern Rache und Verderben furchtbar verkündend, wie bei Franceskos Trauung, erscheinen und mich stürzen werde in namenlose Schmach, in zeitliches – ewiges Elend. Aber dann vernahm ich tief im Innern eine dunkle Stimme: »Und doch muß Aurelie dein sein! Schwachsinniger Tor, wie gedenkst du zu ändern das, was über euch verhängt ist?« Und dann rief es wiederum: »Nieder – nieder wirf dich in den Staub! Verblendeter, du frevelst! – nie kann sie dein werden; es ist die heilige Rosalia selbst, die du zu umfangen gedenkst in irdischer Liebe.« So im Zwiespalt grauser Mächte hin und her getrieben, vermochte ich nicht zu denken, nicht zu ahnen, was ich tun müsse, um dem Verderben zu entrinnen, das mir überall zu drohen schien. Vorüber war jene begeisterte Stimmung, in der mein ganzes Leben, mein verhängnisvoller Aufenthalt auf dem Schlosse des Barons von F. mir nur ein schwerer Traum schien. In düstrer Verzagtheit sah ich in mir nur den gemeinen Lüstling und Verbrecher. Alles, was ich dem Richter, dem Leibarzt gesagt, war nun nichts als alberne, schlecht erfundene Lüge, nicht eine innere Stimme hatte gesprochen, wie ich sonst mich selbst überreden wollte.

Tief in mich gekehrt, nichts außer mir bemerkend und vernehmend, schlich ich über die Straße. Der laute Zuruf des Kutschers, das Gerassel des Wagens weckte mich, schnell sprang ich zur Seite. Der Wagen der Fürstin rollte vorüber, der Leibarzt bückte sich aus dem Schlage und winkte mir freundlich zu; ich folgte ihm nach seiner Wohnung. Er sprang heraus und zog mich mit den Worten: »Eben komme ich von Aurelien, ich habe Ihnen manches zu sagen!« herauf in sein Zimmer. »Ei, ei«, fing er an, »Sie Heftiger, Unbesonnener! was haben Sie angefangen! Aurelien sind Sie erschienen plötzlich wie ein Gespenst, und das arme nervenschwache Wesen ist darüber erkrankt!« Der Arzt bemerkte mein Erbleichen. »Nun, nun«, fuhr er fort,

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