Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 43)

über das Irdische hoch erhebt, habe ich dem Bilde zu geben gesucht.« – Man verlor sich in andere Gespräche, der Wein, der heute dem fremden Maler zu Ehren in beßrer Sorte und reichlicher getrunken wurde als sonst, erheiterte die Gemüter. Jeder wußte irgend etwas Ergötzliches zu erzählen, und wiewohl der Fremde nur im Innern zu lachen und dies innere Lachen sich nur im Auge abzuspiegeln schien, so wußte er doch, oft nur durch ein paar hineingeworfene kräftige Worte, das Ganze in besonderem Schwunge zu erhalten. – Konnte ich auch, sooft mich der Fremde ins Auge faßte, ein unheimliches grauenhaftes Gefühl nicht unterdrücken, so überwand ich doch immer mehr und mehr die entsetzliche Stimmung, von der ich erst ergriffen, als ich den Fremden erblickte. Ich erzählte von dem possierlichen Belcampo, den alle kannten, und wußte zu ihrer Freude seine fantastische Hasenfüßigkeit recht ins grelle Licht zu stellen, so daß ein recht gemütlicher dicker Kaufmann, der mir gegenüber zu sitzen pflegte, mit vor Lachen tränenden Augen versicherte, das sei seit langer Zeit der vergnügteste Abend, den er erlebe. Als das Lachen endlich zu verstummen anfing, frug der Fremde plötzlich: »Haben Sie schon den Teufel gesehen, meine Herren?« – Man hielt die Frage für die Einleitung zu irgendeinem Schwank und versicherte allgemein, daß man noch nicht die Ehre gehabt; da fuhr der Fremde fort: »Nun, es hätte wenig gefehlt, so wäre ich zu der Ehre gekommen, und zwar auf dem Schlosse des Barons F. im Gebirge.« – Ich erbebte, aber die andern riefen lachend: »Nur weiter, weiter!« – »Sie kennen«, nahm der Fremde wieder das Wort, »wohl alle wahrscheinlich, wenn Sie die Reise durch das Gebirge machten, jene wilde schauerliche Gegend, in der, wenn der Wanderer aus dem dicken Tannenwalde auf die hohen Felsenmassen tritt, sich ihm ein tiefer schwarzer Abgrund öffnet. Es ist der sogenannte Teufelsgrund, und oben ragt ein Felsenstück hervor, welches den sogenannten Teufelssitz bildet. – Man spricht davon, daß der Graf Viktorin, mit bösen Anschlägen im Kopfe, eben auf diesem Felsen saß, als plötzlich der Teufel erschien und, weil er beschlossen, Viktorins ihm wohlgefällige Anschläge selbst auszuführen, den Grafen in den Abgrund schleuderte. Der Teufel erschien sodann als Kapuziner auf dem Schlosse des Barons, und nachdem er seine Lust mit der Baronesse gehabt, schickte er sie zur Hölle, sowie er auch den wahnsinnigen Sohn des Barons, der durchaus des Teufels Inkognito nicht dulden wollte, sondern laut verkündete: ›Es ist der Teufel!‹ erwürgte, wodurch denn aber eine fromme Seele aus dem Verderben errettet wurde, das der arglistige Teufel beschlossen. Nachher verschwand der Kapuziner auf unbegreifliche Weise, und man sagt, er sei feige geflohn vor Viktorin, der aus seinem Grabe blutig emporgestiegen. – Dem sei nun allem, wie ihm wolle, so kann ich Sie doch davon versichern, daß die Baronesse an Gift umkam, Hermogen meuchlings ermordet wurde, der Baron kurz darauf vor Gram starb und Aurelie, ebendie fromme Heilige, die ich in der Zeit, als das Entsetzliche geschehen, auf dem Schlosse malte, als verlassene Waise in ein fernes Land, und zwar

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