Ungekürztes Werk "Der grüne Heinrich" von Gottfried Keller (Seite 353)
hatte sich für das Bild des Kaisers ein junger Mann aus den fernsten Gauen des ehemaligen Reiches eingefunden, der, ein merkwürdiges Naturspiel, von edler Haltung und edlem Angesicht, wie dazu geschaffen war, ganz dasselbe offene, mannhafte und angenehme Gesicht, die starke gebogene Nase, die bei den besseren Habsburgern immer angenehm hervortretende Unterlippe und das kräftige schlichte, rund um den Kopf gleichgeschnittene Haar.
Unmittelbar hinter dem Kaiser ging sein lustiger Rat Kunz von der Rosen, aber nicht gleich einem Narren, sondern wie ein kluger und wehrbarer Held launiger Weisheit. Er war ganz in rosenroten Sammet gekleidet, knapp am Leibe, aber mit weiten ausgezackten hängenden Oberärmeln; auf dem Kopfe trug er ein azurblaues Barett mit einem Kranze von je einer Rose und einer goldenen Schelle; an der Hüfte aber hing an rosenfarbenem Gehänge ein breites langes Schlachtschwert von gutem Stahl. Wie sein Held und Kaiser war er nicht sowohl ein Dichter als, was schöner ist, selbst ein Gedicht.
Der Erbschenk von Kärnten und Statthalter der innerösterreichischen Lande, Sigmund von Dietrichstein, der als vertrautester und treuester Rat Maximilians zu dessen Seite begraben liegt, und der zum tüchtigen Feldherrn gediehene gelahrte Doktor der Rechte, Ulrich von Schellenberg, eröffneten nun die lange Reihe dessen, was die Tafelrunde Maxens an glänzenden Ritter- und Fürstengestalten aufzuweisen hatte. Da schritt in Stahl gehüllt und waffenklirrend einher, was von der Lüneburger Heide bis zur alten Stadt Rom, von den Pyrenäen bis zur türkischen Donau gefochten, geblutet und gesiegt hatte. Schlachten und harte Belagerungen, Schießen, Mauerbrechen, Hängen und Köpfen, ritterlich treues Leben und ruhmreiche Taten knüpften sich an die Namen aller dieser Kämpen, welche alle jedoch von den rastlosen wunderbaren Abenteuern und Taten des einzigen Kaisers übertroffen wurden.
Den Feldherrnstab auf die Hüfte gestützt, trat zuerst auf Georg von Frundsberg, allein schon eine ganze Kriegszeit und Historie. Das Schwert Franz I. von Frankreich wurde ihm auf goldenem Kissen vorangetragen mit der Inschrift: Pavia 1525. Ein bärtiger Landsknecht trug seine Hellebarde; denn er liebte es, mit gutem Werkzeuge in der Schlacht hie und da selbst mit einigen Streichen nachzuhelfen und auszubessern, wie ein guter Handwerksmeister, und man sah ihn dann dergestalt hantieren, daß er mit jedem Schlage einen Mann niederschlug und dazu hauchte wie ein Holzhacker. Ein Bergschütz aus seinem Stammland Tyrol, mit Armbrust, Köcher, Panzerhemd und Schwert, trug seinen Wappenschild.
Ihm folgte ein hoher gewaltiger Ritter, Herzog Erich von Braunschweig; seinen Stahlhelm zierte die Herzogskrone, aus welcher ein schillernder Busch von Pfauenfedern emporschwankte, und über diesem schwebte hoch ein goldener Stern. Voraus ging ein Edelknabe mit einer böhmischen Fahne, auf welcher geschrieben stand: Regensburg 1504. Die wilde Böhmerschlacht, in welcher er dem Kaiser das Leben gerettet, trat hiemit vor das geistige Auge.
Schwer an Erinnerung und Bedeutsamkeit folgte Franz von Sickingen, in Eisen gehüllt, mit seinem langen, gerechten und Freiheit liebenden Schwert, seinem langen Arm. Ein Edelknabe trug die Fahne der Picardie voran mit der Inschrift: Bouillon 1518. Zwei geharnischte Reiterknechte gingen hinter ihm mit Waffen und Schild, der seinen Wahlspruch glänzen ließ: Gottes Freund, aller Welt Feind. Er selbst aber sah wohl aus wie