Ungekürztes Werk "Der grüne Heinrich" von Gottfried Keller (Seite 354)
der, welcher in der Not eines blutigen wilden Belagerungstodes im Harnischkasten begraben wurde.
Wilhelm von Roggendorf und Graf Niklas Salm, jener von maurischen Siegeszeichen und der Inschrift: Berg Spadan 1522, dieser mit türkischen und der Inschrift: Wien 1529 begleitet, gaben das Bild einer schönen Heldenfreundschaft. Denn der eine, welcher als Jüngling in die Waffenlehre des anderen gegeben ward, wurde in seltsam leidenschaftlicher Umkehrung des Weltlaufes der jugendliche Schwiegervater des Heldengreises, der seine Tochter liebte und auch vor ihm in heißer Türkenschlacht in seinen Armen starb. Beide aber ruhen in derselben Gruft.
Dem Grafen Andreas von Sonnenburg ward die französische Fahne mit der Inschrift: Guinegaste 1479 vorgetragen. Ein Bergschütz aus seiner tyrolischen Grafschaft, in Panzerhemd und Jägerhut, mit breitem Gürtel, langem Bogen und Köcher folgte und trug den Schild mit dem alten schwäbischen Wappen, zu Ehren seines Ahnherrn, der dem letzten Hohenstaufen im Tode beistand.
Dem Fürsten Rudolf von Anhalt ging eine Fahne mit der Inschrift: Stuhlweißenburg 1490 voran, und seine Knappen trugen Lanze und Schild mit den Worten: Anhalt das treue Blut. Und endlich trug dem in blauer Rüstung und schwarzem Helmbusch schreitenden Marx Sittich von Hohenems ein Edelknabe die venetianische Fahne mit der Inschrift: Verona 1516 voran.
Jetzt erschienen die gelehrten Räte des Kaisers; allein gleich der erste derselben, der berühmte Wilibald Pirkheimer war wieder ein Stück Krieg, und nicht nur Schriftsteller, Altertumskenner und Beschützer aller Gelehrten und Künstler, sondern auch zuweilen Feldherr; der edle und treue Freund Dürers führte eine Kriegsschar seiner Vaterstadt Nürnberg, ein zweiter Xenophon, gegen die Schweizer im Schwabenkriege; und der gelehrte Mann mußte sich freilich mit noch bewährteren Kriegsfürsten trösten, wenn er in dieser schlimmen Gegend nicht die Lorbeeren holte wie auf den ruhigen Gefilden der Wissenschaft.
Melchior Pfinzing, Verfasser des Teuerdank, und Marx Treitzsauerwein, der Geheimschreiber des Kaisers und Ordner des Weißkuniges, erschienen als die Zeugen der sinnreichen und fabelweisen Gemütsrichtung des römischen Königs.
Ein reicher Hof von Rittern und Edelfrauen und endlich ein einsamer fahrender Ritter, geharnischt und die Zither über der Schulter, schlossen das Gefolge des Kaisers, welches ein zweiter Haufen Landsknechte von dem folgenden Zuge trennte.
Auch diese Ritter- und Kriegswelt, von friedlichen Künstlern dargestellt, zeigte sich dessenungeachtet wahr und wesentlich, getragen von stattlich körperlicher Befähigung. Hier waren vorzugsweise die in männlicher Reife, Kunst und bürgerlicher Stellung vorgerückten Mitglieder vertreten, deren durch rüstiges und gelungenes Schaffen erreichter Wohlstand die kostbaren Gewänder möglich machte. Sie trugen mit kriegerischem Anstand die reichgeschmiedeten Rüstungen aus dem Zeughause, und die kecken, mannigfach geschnittenen Bärte schienen weniger die Zeichen malerischen Behabens als die Zierden wirklich tatenreicher Kämpen zu sein. Da nun aber jeder einzelne Mann nicht etwa ein schöngewachsenes Schema, ein bloßer Statist, sondern eine bedeutende Persönlichkeit, ein rechter Schmied seines Glückes war, der aus diesem, der aus jenem Winkel deutschen Volkstumes hervorgekommen, so mußte man beim Anblick so vieler unwillkürlich die Hoffnung fassen, daß ein solches Volk doch noch zu was anderem fähig sei als zur Darstellung der Vergangenheit und daß diese körperliche Wohlgestalt, welche so ähnliche Bilder toter Helden und Kaiser zeigte, unausbleiblich einst die wahren Kaiser, die rechten Schmiede