Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 30)

»und Ihr anderes einfältiges Hasenstück hab ich gar nicht gesehen und gebe nicht einen Löffel von meinem darum.« Jetzo nannte er den Kaufschilling. Bekanntlich wurde unter dem minderjährigen Ludwig XV. der Greisenkopf auf den alten Louisdor von Ludwig XIV. bloß durch den Druck eines Rades in den noch lebendigen Kinderkopf umgemünzt; worauf sie 20 Livres statt 16 galten. Für ein solches Geld-Kopfstück, und zwar für ein vollwichtiges, wollte der Apotheker seinen Hasen mit 4 Löffeln, 2 Köpfen etc. hergeben. Nun hatte der Doktor wirklich ein solches bei sich; nur aber wars um viele Asse zu leicht und ihm gar nicht feil. Er bot halbsoviel an Silbergeld – denn ebensoviel – dann streichelte er dem Pharmazeutikus am dürren Arme herab, um in seinem Heißhunger nur, wie der blinde Angelo den Torso, so den Pelz der Hasen zu befühlen, die er, wie ein Kalmucke, göttlich verehrte. – Endlich zeigte er noch seinen langen Hakenstock vor und zog aus dessen Scheide, wie einen giftigen Bienenstachel, einen langen befiederten amerikanischen Giftpfeil vor und sagte, diesen Pfeil, womit der Pharmazeutikus jeden Feind auf der Stelle erlegen könnte, woll er noch dreinschenken. Bisher hatte dieser immer drei Schritte auf und ab getan, kopfschüttelnd und schweigend; jetzo trug er ohne weiteres seinen Hasenvielfuß zur Tür hinaus und sagte bloß: »Bis morgen früh steht viel feil ums Goldstück; aber mittags katz ab!« – »Es ist mein Herzens-Gevatter«, sagte der Wirt, »und ein obstinater Mann, aber dabei blitz-wunderlich; ich sage Ihnen aber, Sie kriegen ebensowenig den Hasen einzupacken als den Rathaus-Turm, wofern Sie kein solches Kopfstück ausbatzen; er hat seinen Kopf darauf gesetzt.« – »Gibts denn«, sagte der Doktor, »einen größern Spitzbuben? Ich habe freilich eins, aber es ist zu gut, zu vollötig für ihn – doch werd ich sehen.« – »So tue«, sagte der Wirt, »doch unser Herrgott sein Bestes und bringe zwei solche Herren zusammen!«

Der Poet Nieß hatte aus dem Vorfalle eine ganze Theaterkasse voll Einfälle und Situationen erhoben und auf der Stelle den Plan zu einer komischen Oper entworfen, worin nichts als Mißgeburten handeln und singen sollten.

Fünfzehnte Summula

Hasenkrieg

Der Doktor hatte eine unruhigere Nacht als irgendeiner seiner Heilkunden, weniger weil ein Goldstück für das Natur-Kunstwerk zu zahlen war, als weil dasselbe sehr zu leicht war. Endlich fiel ihm gegen Mitternacht der Kunstgriff eines christlichen Kaufmanns bei, der zu leichten Goldstücken nicht jüdisch durch Beschneidung, sondern vielmehr mit etwas Ohrenschmalz, als Taufe und Ölung, das alte Gewicht zurückgab. Er stand auf und nahm seine ­Gehörwerkzeuge und gab Louis XIV et XV d'or ohne alle Rheims-Fläschchen so viele Salbung, bis er sein Gewicht hatte. Frühmorgens schickte er durch den Wirt die Nachricht in die Apotheke: er gehe den Kauf ein und werde bald vor ihr mit seinem Wagen halten. Man antwortete darauf zurück: »Gestern wär es zwar ebensogut abzumachen gewesen; aber meintwegen!«

Der Doktor sann sich viele List- und Gewalt-Mittel – d.h. Frieden-Unterhandlungen und Krieglisten – aus, um die Föderativ-Hasen zu bekommen; und er war, im Falle gute Worte, nämlich falsche, nichts verfingen, zum Äußersten, zu Mord und

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