Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 43)
dieses kürzesten Amtes schon Katzenbergers Namen erjagt hatte, ihm entgegen und konnte, wie er sagte, die Freude nicht ausdrücken, den Verfasser einer Haematologia und einer Epistola de monstris und de rabie canina persönlich zu hören und zu benützen und ihm womöglich irgendeinen Dienst zu leisten. Der größte, versetzte der Doktor, sei dessen Gegenwart, er habe längst seine Bekanntschaft gewünscht. – Strykius fragte: wahrscheinlich hab er seine schöne Tochter als ihr bester Brunnenmedikus hierher begleitet, wenn sie das Bad gebrauche.
Nicht eines zu gebrauchen, antwortete er, sondern einem Badegaste eines zuzubereiten und zu gesegnen, sei er angelangt. – »Also auch im Umgange der scherzhafte Mann, als den ich Sie längst aus Ihren epistolis kenne? Doch Scherz beiseite«, sagte Strykius und wollte fortfahren. – »Nein, dies hieße Prügel beiseite«, sagte der Doktor. »Ich bin wirklich gesonnen, einen kritischen Anonymus von wenig Gewicht, den ich hier finden soll, aus Gründen, solange wir beide, nämlich er und ich, es aushalten, was man sagt, zu prügeln, zu dreschen, zu walken. Indes will ich als ein Mann, der sich beherrscht, nur stufenweise verfahren und früher seine Ehre angreifen als seinen Körper.«
»Nun, diesen Scherz-Ernst abgetan«, sagte der Brunnenarzt, sich totlachen wollend, »so versprech ich Ihnen hier wenigstens fünf Freunde des Verfassers der Hämatologie, Männer vom Handwerk.«
»Es soll mich freuen«, sagte der Doktor, »wenn einer darunter mich rezensiert hat, weils eben das Subjekt ist, dem ich, wie ich Ihnen schon anvertraut, so viel Hirn ausschlagen will, als ein Mensch ohne Lebensgefahr entbehren kann, welches, wie Sie wissen, bis auf zwei Unzen steigt, es müßte denn sein, daß ich aus Liebe mich auf bloßes Einschlagen der Hirnschale einzöge. – Wenn schon jener Festung-Kommandant jeder davonlaufenden Schildwache fünfundzwanzig Streiche aufzählen ließ, die einen Geist gesehen: wieviel mehr kann ich einer kritischen geben, die keinen Geist in meinen Werken gesehen! Wie?«
»Tun Sie, was Sie wollen, Humorist; nur seien Sie heute mit Ihrer blühenden Tochter mein Gast im großen Brunnensaale«, sagte Strykius; er fand seine Bitte gern gewährt und schied mit einem eiligen Handdruck, um einem verdrüßlichen Grafen zu antworten, der eben gesagt: »Franchement, Mr. Médecin, ich habe bisher von dem detestabeln Gesöff nur die Hälfte Ihrer vorgeschriebenen Gläser verschluckt; ich verlange nun durchaus bloß diese Hälfte verordnet.«
»Gut«, versetzte er, »von morgen an dürfen Sie keck mit der bisherigen Hälfte fortfahren.«
Diese Antwort vernahm noch der Doktor mit unsäglichem Ingrimm; er, der sich von keinem Generale und Ordens-Generale und Kardinale nur eine einzige von 1000 verordneten Merkurialpillen hätte abdingen lassen. Strykius' milde Höflichkeit verdroß ihn mehr, als die größte Grobheit getan hätte, auf die er zufolge der anonymen in den Rezensionen so gewiß gezählet hatte; einen rauhen, widerhaarigen, stämmigen Mann hatte er zu finden gehofft, dem der Kopf kaum anders zu waschen ist als durch Abreißen oder Abhaaren desselben, wenigstens einen Mann, der, wie ein Teich, unter seinen weißen Wasser-Blüten scharfgezähnte Hechte verbärge – – aber er, ein so gebognes, wangenfettes, gehorsamstes, untertänigstes Zier-Männchen, das noch niemand ein hartes Wort gesagt als etwa Frau und Kindern, gegen niemand ein Elefant als gegen Elefanten-Käfer und