Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 77)
Papst wie eine Schnepfe zu schießen oder zu würgen, um ihn in Bausch und Bogen zu haben, sondern man ist zufrieden mit dem, was er geben kann.
Dies ist das eine Beispiel vom Unsinne des Ekels; aber das stärkere kommt. Wein, Bier, Likör, Brühe, kurz, nichts ist uns so rein, so einheimisch und so zugeartet und bleibt so gern tagelang (was nichts Fremdes kann) in unserm Munde als etwas, wovon der Besitzer, wenn es heraus wäre, keine halbe Teetasse trinken könnte – Speichel. Ist aber dies kein wahrer Unsinn, so wärs auch keiner, sondern vernünftig, wenn ich meinen trefflichen Herrn Kollegen Strykius verabscheute aus Ekel, bloß weil er, obwohl mir in Wissenschaft und Streben so verwandt und durch Freundschaft gewissermaßen ein Teil meines Innern, außer mir stände neben meinem Stuhle.«
Daneben war wirklich der Brunnenarzt Strykius im Mute des Wein-Nachtisches getreten. Über des Doktors Mut und Glück bei dem Fürsten und besonders über das Armwerfen des einen und über das Lächeln des andern konnt er kaum zu sich kommen; denn er selber lag, kaum von einem Fürstenfinger berührt, wie manche Raupen, gebogen und steif da oder fiel, wie eine Hangspinne, am Faden nieder auf den Boden; und er würde als Geburthelfer eines Kronprinzen unter den fürstlichen Wehen höchstens gesagt haben: »Wollen Ihre Durchlaucht nicht die hohe Gnade haben, einzutreten in die Geburt, und das Licht der Welt erblicken?« Auch wollte er seinem Landesherrn von weitem seine innigen Verständnisse mit einem so gelehrten Manne vorzeigen. Aber Katzenberger ließ ihn seinen Schein und sein Annähern ziemlich bezahlen; denn er kam auf einen schwachen, nicht sehr maskierten Umweg auf seinen Rezensenten zurück. – (Der Umweg war bloß die Einschränkung des vorigen Satzes über den Abscheu, nämlich die Bemerkung, daß ihn allerdings sein Kunstrichter, obwohl Handwerkgenoß, anekle.) – Er sprach davon, was wir leider so oft in diesem Werkchen gelesen, von der Sünde, eine Stimme für mehre, für drei Instanzen zu verkaufen, einen Geschwornen-Meineidigen für eine Jury, einen Judas für elf Apostel. Er brachte dann wieder – was wir alle leider so oft von ihm gehört, so daß ich die Leser fast noch mehr bedaure als mich – die alten kalten Einkleidungen seines künftigen Ausprügelns zu Markte und äußerte (denn ich führe nicht alles an), ihn quäle sehr die Wahl, wie ers zu halten habe, da er von der einen Seite recht gut dem Kunstrichter bloß die Haare ausziehen könne, weil, nach Aretäus, schon bloßes Abscheren Wahnsinn heile (wie an den Titusköpfen der Revolution noch zu sehen), aber da er auch von der andern Seite noch stärker zu Werke gehen und den Kerl, wie Bierflaschen, durch Schrot reinigen könne, welcher Schrot, freilich anders als bei der Flasche, bloß durch einen Schuß in ihn zu bringen wäre, wiewohl man bei Blei des Feindes Gesundheit stets riskiere, weil dasselbe stets vergifte, es fließe nun langsam und süß in Wein aufgelöst in den Magen, oder es fahre im ganzen roh durch den Magen und Leib.
»Bon!« versetzte Strykius und verstand den Spaß. »Wer Leben wieder gibt, kann es auch zurücknehmen,