Ungekürztes Werk "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller (Seite 3)
werde mich bei Seiner Exzellenz anmelden lassen. Ich werde sprechen zu Seiner Exzellenz: Dero Herr Sohn haben ein Aug auf meine Tochter; meine Tochter ist zu schlecht zu Dero Herrn Sohnes Frau, aber zu Dero Herrn Sohnes Hure ist meine Tochter zu kostbar, und damit basta! – Ich heiße Miller.
Zweite Szene
Sekretär Wurm. Die Vorigen.
FRAU: Ah guten Morgen, Herr Sekertare. Hat man auch einmal wieder das Vergnügen von Ihnen?
WURM: Meinerseits, meinerseits, Frau Base. Wo eine Kavaliersgnade einspricht, kommt mein bürgerliches Vergnügen in gar keine Rechnung.
FRAU: Was Sie nicht sagen, Herr Sekertare! Des Herrn Majors von Walter hohe Gnaden machen uns wohl je und je das Bläsier, doch verachten wir darum niemand.
MILLER verdrüßlich: Dem Herrn einen Sessel, Frau. Wollen's ablegen, Herr Landsmann?
WURM legt Hut und Stock weg, setzt sich: Nun! Nun! Und wie befindet sich denn meine Zukünftige – oder Gewesene? – Ich will doch nicht hoffen – kriegt man sie nicht zu sehen – Mamsell Luisen?
FRAU: Danken der Nachfrage Herr Sekertare. Aber meine Tochter ist doch gar nicht hochmütig.
MILLER ärgerlich, stößt sie mit dem Ellnbogen: Weib!
FRAU: Bedauern's nur, daß sie die Ehre nicht haben kann vom Herrn Sekretare. Sie ist eben in die Meß, meine Tochter.
WURM: Das freut mich, freut mich. Ich werd einmal eine fromme christliche Frau an ihr haben.
FRAU lächelt dumm–vornehm: Ja – aber Herr Sekertare –
MILLER in sichtbarer Verlegenheit kneipt sie in die Ohren: Weib!
FRAU: Wenn Ihnen unser Haus sonst irgendwo dienen kann – Mit allem Vergnügen Herr Sekertare –
WURM macht falsche Augen: Sonst irgendwo! Schönen Dank! Schönen Dank – Hem! hem! hem!
FRAU: Aber – wie der Herr Sekertare selber die Einsicht werden haben –
MILLER voll Zorn seine Frau vor den Hintern stoßend: Weib!
FRAU: Gut ist gut, und besser ist besser, und einem einzigen Kind mag man doch auch nicht vor seinem Glück sein. Bäurisch–stolz: Sie werden mich je doch wohl merken Herr Sekertare?
WURM rückt unruhig im Sessel, kratzt hinter den Ohren und zupft an Manschetten und Chapeau: Merken? Nicht doch – O ja – Wie meinen Sie denn?
FRAU: Nu – Nu – ich dächte nur – ich meine – Hustet: Weil eben halt der liebe Gott meine Tochter barrdu zur gnädigen Madam will haben –
WURM fährt vom Stuhl: Was sagen Sie da? Was?
MILLER: Bleiben sitzen! Bleiben sitzen Herr Sekretarius. Das Weib ist eine alberne Gans. Wo soll eine gnädige Madam herkommen? Was für ein Esel streckt sein Langohr aus diesem Geschwätze?
FRAU: Schmäl du solang du willst. Was ich weiß, weiß ich – und was der Herr Major gesagt hat, das hat er gesagt.
MILLER aufgebracht, springt nach der Geige: Willst du dein Maul halten? Willst das Violoncello am Hirnkasten wissen? – Was kannst du wissen? Was kann er gesagt haben? – Kehren sich an das Geklatsch nicht Herr Vetter – Marsch du in deine Küche – Werden mich doch nicht für des Dummkopfs leiblichen Schwager halten, daß ich obenaus woll mit dem Mädel? Werden doch das nicht von mir denken Herr Sekretarius?
WURM: Auch hab ich es nicht um Sie verdient Herr Musikmeister. Sie haben mich jederzeit