Ungekürztes Werk "Faust 2" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 38)

wäre diese Welt so schön!

Wie ständen eure Berge droben

In prächtig-reinem Ätherblau,

Hätt ich sie nicht hervorgeschoben

Zu malerisch-entzückter Schau!

Als, angesichts der höchsten Ahnen,

Der Nacht, des Chaos, ich mich stark betrug

Und in Gesellschaft von Titanen

Mit Pelion und Ossa als mit Ballen schlug:

Wir tollten fort in jugendlicher Hitze,

Bis, überdrüssig, noch zuletzt

Wir dem Parnaß als eine Doppelmütze

Die beiden Berge frevelnd aufgesetzt –

Apollen hält ein froh Verweilen

Dort nun mit seliger Musen Chor.

Selbst Jupitern und seinen Donnerkeilen

Hob ich den Sessel hoch empor.

Jetzt so, mit ungeheurem Streben,

Drang aus dem Abgrund ich herauf

Und fordere laut zu neuem Leben

Mir fröhliche Bewohner auf.

SPHINXE. Uralt, müßte man gestehen,

Sei das hier Emporgebürgte,

Hätten wir nicht selbst gesehen,

Wie sichs aus dem Boden würgte.

Bebuschter Wald verbreitet sich hinan,

Noch drängt sich Fels auf Fels bewegt heran;

Ein Sphinx wird sich daran nicht kehren:

Wir lassen uns im heiligen Sitz nicht stören.

GREIFE. Gold in Blättchen, Gold in Flittern

Durch die Ritzen seh ich zittern.

Laßt euch solchen Schatz nicht rauben!

Imsen, auf! es auszuklauben.

CHOR DER AMEISEN. Wie ihn die Riesigen

Emporgeschoben,

Ihr Zappelfüßigen,

Geschwind nach oben!

Behendest aus und ein!

In solchen Ritzen

Ist jedes Bröselein

Wert zu besitzen.

Das Allermindeste

Müßt ihr entdecken

Auf das geschwindeste

In allen Ecken!

Allemsig müßt ihr sein,

Ihr Wimmelscharen:

Nur mit dem Gold herein!

Den Berg laßt fahren!

GREIFE. Herein! herein! Nur Gold zuhauf!

Wir legen unsre Klauen drauf;

Sind Riegel von der besten Art:

Der größte Schatz ist wohl verwahrt.

PYGMÄEN. Haben wirklich Platz genommen.

Wissen nicht, wie es geschah.

Fraget nicht, woher wir kommen;

Denn wir sind nun einmal da!

Zu des Lebens lustigem Sitze

Eignet sich ein jedes Land;

Zeigt sich eine Felsenritze,

Ist auch schon der Zwerg zur Hand.

Zwerg und Zwergin, rasch zum Fleiße,

Musterhaft ein jedes Paar;

Weiß nicht, ob es gleicherweise

Schon im Paradiese war.

Doch wir findens hier zum besten,

Segnen dankbar unsern Stern;

Denn im Osten wie im Westen

Zeugt die Mutter Erde gern.

DAKTYLE. Hat sie in Einer Nacht

Die Kleinen hervorgebracht,

Sie wird die Kleinsten erzeugen;

Finden auch ihresgleichen.

PYGMÄEN-ÄLTESTE. Eilet, bequemen

Sitz einzunehmen!

Eilig zum Werke!

Schnelle für Stärke!

Noch ist es Friede:

Baut euch die Schmiede,

Harnisch und Waffen

Dem Heer zu schaffen!

Ihr Imsen alle,

Rührig im Schwalle,

Schafft uns Metalle!

Und ihr Daktyle,

Kleinste, so viele,

Euch sei befohlen,

Hölzer zu holen!

Schichtet zusammen

Heimliche Flammen:

Schaffet uns Kohlen!

GENERALISSIMUS. Mit Pfeil und Bogen

Frisch ausgezogen!

An jenem Weiher

Schießt mir die Reiher,

Unzählig nistende,

Hochmütig brüstende,

Auf einen Ruck

Alle wie einen,

Daß wir erscheinen

Mit Helm und Schmuck!

ISMEN UND DAKTYLE. Wer wird uns retten!

Wir schaffen's Eisen

Sie schmieden Ketten.

Uns loszureißen,

Ist noch nicht zeitig;

Drum seid geschmeidig!

DIE KRANICHE DES IBYKUS. Mordgeschrei und Sterbeklagen!

Ängstlich Flügelflatterschlagen!

Welch ein Ächzen, welch Gestöhn

Dringt herauf zu unsern Höhn!

Alle sind sie schon ertötet,

See von ihrem Blut gerötet!

Mißgestaltete Begierde

Raubt des Reihers edle Zierde.

Weht sie doch schon auf dem Helme

Dieser Fettbauch-Krummbein-Schelme!

Ihr

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