Ungekürztes Werk "Faust 2" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 40)
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MEPHISTOPHELES.
Auch diese Mühmchen, zart und schmächtig,
Sie sind mir allesamt verdächtig,
Und hinter solcher Wänglein Rosen
Fürcht ich doch auch Metamorphosen.
LAMIEN. Versuch es doch! sind unsrer viele.
Greif zu! und hast du Glück im Spiele,
Erhasche dir das beste Los!
Was soll das lüsterne Geleier?
Du bist ein miserabler Freier,
Stolzierst einher und tust so groß! –
Nun mischt er sich in unsre Scharen:
Laßt nach und nach die Masken fahren
Und gebt ihm euer Wesen bloß!
MEPHISTOPHELES. Die Schönste hab ich mir erlesen –
Sie umfassend.
O weh mir! welch ein dürrer Besen!
Eine andere ergreifend.
Und diese? – Schmähliches Gesicht!
LAMIEN. Verdienst dus besser? dünk es nicht!
MEPHISTOPHELES. Die Kleine möcht ich mir verpfänden –
Lazerte schlüpft mir aus den Händen
Und schlangenhaft der glatte Zopf!
Dagegen faß ich mir die Lange –
Da pack ich eine Thyrsusstange,
Den Pinienapfel als den Kopf!
Wo wills hinaus? – Noch eine Dicke,
An der ich mich vielleicht erquicke!
Zum letztenmal gewagt! Es sei!
Recht quammig, quappig: das bezahlen
Mit hohem Preis Orientalen –
Doch ach! der Bovist platzt entzwei!
LAMIEN. Fahrt auseinander! schwankt und schwebet
Blitzartig! schwarzen Flugs umgebet
Den eingedrungenen Hexensohn!
Unsichre, schauderhafte Kreise!
Schweigsamen Fittichs, Fledermäuse!
Zu wohlfeil kommt er doch davon.
MEPHISTOPHELES sich schüttelnd.
Viel klüger, scheint es, bin ich nicht geworden;
Absurd ists hier, absurd im Norden,
Gespenster hier wie dort vertrackt,
Volk und Poeten abgeschmackt.
Ist eben hier eine Mummenschanz
Wie überall ein Sinnentanz.
Ich griff nach holden Maskenzügen
Und faßte Wesen, daß michs schauerte –
Ich möchte gerne mich betrügen,
Wenn es nur länger dauerte.
Sich zwischen dem Gestein verirrend.
Wo bin ich denn? wo wills hinaus?
Das war ein Pfad, nun ists ein Graus.
Ich kam daher auf glatten Wegen,
Und jetzt steht mir Geröll entgegen.
Vergebens klettr ich auf und nieder:
Wo find ich meine Sphinxe wieder?
So toll hätt ich mirs nicht gedacht:
Ein solch Gebirg in einer Nacht!
Das heiß ich frischen Hexenritt:
Die bringen ihren Blocksberg mit.
OREAS vom Naturfels. Herauf hier! Mein Gebirg ist alt,
Steht in ursprünglicher Gestalt.
Verehre schroffe Felsensteige,
Des Pindus letztgedehnte Zweige!
Schon stand ich unerschüttert so,
Als über mich Pompejus floh.
Daneben das Gebild des Wahns
Verschwindet schon beim Krähn des Hahns.
Dergleichen Märchen seh ich oft entstehn
Und plötzlich wieder untergehn.
MEPHISTOPHELES. Sei Ehre dir, ehrwürdiges Haupt,
Von hoher Eichenkraft umlaubt!
Der allerklarste Mondenschein
Dringt nicht zur Finsternis herein. –
Doch neben am Gebüsche zieht
Ein Licht, das gar bescheiden glüht.
Wie sich das alles fügen muß!
Fürwahr, es ist Homunculus!
Woher des Wegs, du Kleingeselle?
HOMUNCULUS. Ich schwebe so von Stell zu Stelle
Und möchte gern im besten Sinn entstehn,
Voll Ungeduld, mein Glas entzweizuschlagen;
Allein was ich bisher gesehn,
Hinein da möcht ich mich nicht wagen.
Nur, um dirs im Vertrauen zu sagen:
Zwei Philosophen bin ich auf der Spur!
Ich horchte zu, es hieß: »Natur! Natur!«
Von diesen will ich mich nicht trennen,
Sie müssen doch das irdische Wesen kennen,
Und ich erfahre wohl am Ende,
Wohin ich mich am allerklügsten wende.
MEPHISTOPHELES. Das tu auf deine