Ungekürztes Werk "Faust 2" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 39)

Genossen unsres Heeres,

Reihenwanderer des Meeres,

Euch berufen wir zur Rache

In so nahverwandter Sache.

Keiner spare Kraft und Blut:

Ewige Feindschaft dieser Brut!

Zerstreuen sich krächzend in den Lüften.

MEPHISTOPHELES in der Ebne.

Die nordischen Hexen wußt ich wohl zu meistern,

Mir wirds nicht just mit diesen fremden Geistern.

Der Blocksberg bleibt ein gar bequem Lokal:

Wo man auch sei, man findet sich zumal.

Frau Ilse wacht für uns auf ihrem Stein,

Auf seiner Höh wird Heinrich munter sein,

Die Schnarcher schnauzen zwar das Elend an,

Doch alles ist für tausend Jahr getan.

Wer weiß denn hier nur, wo er geht und steht,

Ob unter ihm sich nicht der Boden bläht?

Ich wandle lustig durch ein glattes Tal,

Und hinter mir erhebt sich auf einmal

Ein Berg, zwar kaum ein Berg zu nennen,

Von meinen Sphinxen mich jedoch zu trennen,

Schon hoch genug! – Hier zuckt noch manches Feuer

Das Tal hinab und flammt ums Abenteuer:

Noch tanzt und schwebt mir lockend, weichend vor,

Spitzbübisch gaukelnd, der galante Chor.

Nur sachte drauf! Allzu gewohnt ans Naschen,

Wo es auch sei, man sucht was zu erhaschen.

LAMIEN Mephistopheles nach sich ziehend.

Geschwind! geschwinder!

Und immer weiter!

Dann wieder zaudernd,

Geschwätzig plaudernd!

Es ist so heiter,

Den alten Sünder

Uns nachzuziehen

Zu schwerer Buße!

Mit starrem Fuße

Kommt er geholpert,

Einhergestolpert;

Er schleppt das Bein,

Wie wir ihn fliehen,

Uns hinterdrein!

MEPHISTOPHELES stillstehend.

Verflucht Geschick! Betrogne Mannsen!

Von Adam her verführte Hansen!

Alt wird man wohl, wer aber klug?

Warst du nicht schon vernarrt genug?

Man weiß: das Volk taugt aus dem Grunde nichts,

Geschnürten Leibs, geschminkten Angesichts.

Nichts haben sie Gesundes zu erwidern,

Wo man sie anfaßt, morsch in allen Gliedern.

Man weiß, man siehts, man kann es greifen,

Und dennoch tanzt man, wenn die Luder pfeifen!

LAMIEN innehaltend. Halt! er besinnt sich, zaudert, steht!

Entgegnet ihm, daß er euch nicht entgeht!

MEPHISTOPHELES fortschreitend.

Nur zu! und laß dich ins Gewebe

Der Zweifelei nicht törig ein;

Denn wenn es keine Hexen gäbe,

Wer, Teufel! möchte Teufel sein!

LAMIEN anmutigst. Kreisen wir um diesen Helden!

Liebe wird in seinem Herzen

Sich gewiß für Eine melden.

MEPHISTOPHELES. Zwar mit ungewissem Schimmer

Scheint ihr hübsche Frauenzimmer,

Und so möcht ich euch nicht schelten.

EMPUSE eindringend. Auch nicht mich! als eine solche

Laßt mich ein in eure Folge!

LAMIEN. Die ist in unserm Kreis zu viel,

Verdirbt doch immer unser Spiel.

EMPUSE zu Mephistopheles.

Begrüßt von Mühmichen Empuse,

Der Trauten mit dem Eselsfuße!

Du hast nur einen Pferdefuß,

Und doch, Herr Vetter, schönsten Gruß!

MEPHISTOPHELES. Hier dacht ich lauter Unbekannte

Und finde leider Nahverwandte;

Es ist ein altes Buch zu blättern:

Vom Harz bis Hellas immer Vettern!

EMPUSE. Entschieden weiß ich gleich zu handeln,

In vieles könnt ich mich verwandeln;

Doch Euch zu Ehren hab ich jetzt

Das Eselsköpfchen aufgesetzt.

MEPHISTOPHELES. Ich merk, es hat bei diesen Leuten

Verwandtschaft Großes zu bedeuten;

Doch mag sich, was auch will, eräugnen,

Den Eselskopf möcht ich verleugnen.

LAMIEN. Laß diese Garstige! sie verscheucht,

Was irgend schön und lieblich deucht;

Was irgend schön und lieblich wär,

Sie kommt heran: es ist nicht

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