Ungekürztes Werk "Faust 2" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 47)

fein,

Ein wackrer Mann zu seiner Zeit zu sein.

PROTEUS zu Thales. So einer wohl von deinem Schlag!

Das hält noch eine Weile nach;

Denn unter bleichen Geisterscharen

Seh ich dich schon seit vielen hundert Jahren.

SIRENEN auf den Felsen.

Welch ein Ring von Wölkchen ründet

Um den Mond so reichen Kreis?

Tauben sind es, liebentzündet,

Fittiche, wie Licht so weiß.

Paphos hat sie hergesendet,

Ihre brünstige Vogelschar;

Unser Fest, es ist vollendet:

Heitre Wonne voll und klar!

NEREUS zu Thales tretend.

Nennte wohl ein nächtiger Wanderer

Diesen Mondhof Lufterscheinung;

Doch wir Geister sind ganz anderer

Und der einzig richtigen Meinung:

Tauben sind es, die begleiten

Meiner Tochter Muschelfahrt,

Wunderflugs besondrer Art,

Angelernt vor alten Zeiten.

THALES. Auch ich halte das fürs Beste,

Was dem wackern Mann gefällt,

Wenn im stillen, warmen Neste

Sich ein Heiliges lebend hält.

PSYLLEN UND MARSEN auf Meertieren, Meerkälbern und -widdern.

In Cyperns rauhen Höhlegrüften,

Vom Meergott nicht verschüttet,

Vom Seismos nicht zerrüttet,

Umweht von ewigen Lüften,

Und, wie in den ältesten Tagen,

In still-bewußtem Behagen

Bewahren wir Cypriens Wagen

Und führen beim Säuseln der Nächte

Durch liebliches Wellengeflechte,

Unsichtbar dem neuen Geschlechte,

Die lieblichste Tochter heran.

Wir leise Geschäftigen scheuen

Weder Adler noch geflügelten Leuen,

Weder Kreuz noch Mond,

Wie es oben wohnt und thront,

Sich wechselnd wegt und regt,

Sich vertreibt und totschlägt,

Saaten und Städte niederlegt.

Wir, so fortan,

Bringen die lieblichste Herrin heran.

SIRENEN. Leichtbewegt, in mäßiger Eile,

Um den Wagen, Kreis um Kreis,

Bald verschlungen Zeil an Zeile,

Sehlangenartig reihenweis,

Naht euch, rüstige Nereiden,

Derbe Fraun, gefällig-wild,

Bringet, zärtliche Doriden,

Galatee, der Mutter Bild:

Ernst, den Göttern gleich zu schauen,

Würdiger Unsterblichkeit,

Doch wie holde Menschenfrauen

Lockender Anmutigkeit.

DORIDEN im Chor am Nereus vorbeiziehend, sämtlich auf Delphinen.

Leih uns, Luna, Licht und Schatten,

Klarheit diesem Jugendflor!

Denn wir zeigen liebe Gatten

Unserm Vater bittend vor.

Zu Nereus.

Knaben sinds, die wir gerettet

Aus der Brandung grimmem Zahn,

Sie, auf Schilf und Moos gebettet,

Aufgewärmt zum Licht heran,

Die es nun mit heißen Küssen

Treulich uns verdanken müssen:

Schau die Holden günstig an!

NEREUS. Hoch ist der Doppelgewinn zu schätzen:

Barmherzig sein und sich zugleich ergötzen.

DORIDEN. Lobst du, Vater, unser Walten,

Gönnst uns wohlerworbene Lust;

Laß uns fest, unsterblich halten

Sie an ewiger Jugendbrust!

NEREUS. Mögt euch des schönen Fanges freuen,

Den Jüngling bildet euch als Mann!

Allein ich könnte nicht verleihen,

Was Zeus allein gewähren kann.

Die Welle, die euch wogt und schaukelt,

Läßt auch der Liebe nicht Bestand,

Und hat die Neigung ausgegaukelt,

So setzt gemächlich sie ans Land!

DORIDEN. Ihr, holde Knaben, seid uns wert,

Doch müssen wir traurig scheiden:

Wir haben ewige Treue begehrt,

Die Götter wollens nicht leiden.

DIE JÜNGLINGE. Wenn ihr uns nur so ferner labt,

Uns wackre Schifferknaben!

Wir habens nie so gut gehabt

Und wollens nicht besser haben.

Galatee auf dem Muschelwagen nähert sich.

NEREUS. Du bist es, mein Liebchen!

GALATEE.                                            O Vater! das Glück!

Delphine, verweilet! mich fesselt der Blick.

NEREUS. Vorüber schon, sie ziehen vorüber

In kreisenden Schwunges Bewegung;

Was kümmert sie die innre, herzliche Regung!

Ach, nähmen sie mich mit hinüber!

Doch ein

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