Ungekürztes Werk "Faust 2" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 48)

einziger Blick ergötzt,

Daß er das ganze Jahr ersetzt.

THALES. Heil! Heil aufs neue!

Wie ich mich blühend freue,

Vom Schönen, Wahren durchdrungen:

Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!

Alles wird durch das Wasser erhalten!

Ozean, gönn uns dein ewiges Walten!

Wenn du nicht Wolken sendetest,

Nicht reiche Bäche spendetest,

Hin und her nicht Flüsse wendetest,

Die Ströme nicht vollendetest,

Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt!

Du bists, der das frischeste Leben erhält!

ECHO, Chorus der sämtlichen Kreise.

Du bists, dem das frischeste Leben entquellt!

NEREUS. Sie kehren schwankend fern zurück,

Bringen nicht mehr Blick zu Blick;

In gedehnten Kettenkreisen

Sich festgemäß zu erweisen,

Windet sich die unzählige Schar.

Aber Galateas Muschelthron

Seh ich schon und aber schon:

Er glänzt wie ein Stern

Durch die Menge!

Geliebtes leuchtet durchs Gedränge:

Auch noch so fern

Schimmerts hell und klar,

Immer nah und wahr.

HOMUNCULUS. In dieser holden Feuchte,

Was ich auch hier beleuchte,

Ist alles reizend schön.

PROTEUS. In dieser Lebensfeuchte

Erglänzt erst deine Leuchte

Mit herrlichem Getön.

NEREUS. Welch neues Geheimnis in Mitte der Scharen

Will unseren Augen sich offenbaren?

Was flammt um die Muschel, um Galatees Füße?

Bald lodert es mächtig, bald lieblich, bald süße,

Als wär es von Pulsen der Liebe gerührt.

THALES. Homunculus ist es, von Proteus verführt!

Es sind die Symptome des herrischen Sehnens,

Mir ahnet das Ächzen beängsteten Dröhnens;

Er wird sich zerschellen am glänzenden Thron:

Jetzt flammt es, nun blitzt es, ergießet sich schon!

SIRENEN. Welch feuriges Wunder verklärt uns die Wellen,

Die gegeneinander sich funkelnd zerschellen?

So leuchtets und schwanket und hellet hinan:

Die Körper, sie glühen auf nächtlicher Bahn,

Und ringsum ist alles vom Feuer umronnen.

So herrsche denn Eros, der alles begonnen!

Heil dem Meere! Heil den Wogen

Von dem heiligen Feuer umzogen!

Heil dem Wasser! Heil dem Feuer!

Heil dem seltnen Abenteuer!

ALL-ALLE! Heil den mildgewogenen Lüften!

Heil geheimnisreichen Grüften!

Hochgefeiert seid allhier,

Element ihr alle vier!

 

Dritter Akt

 

Vor dem Palaste des Menelas zu Sparta

Helena tritt auf und Chor gefangener Trojanerinnen.

Panthalis, Chorführerin.

HELENA. Bewundert viel und viel gescholten, Helena,

Vom Strande komm ich, wo wir erst gelandet sind,

Noch immer trunken von des Gewoges regsamem

Geschaukel, das vom phrygischen Blachgefild uns her

Auf sträubig-hohem Rücken durch Poseidons Gunst

Und Euros Kraft in vaterländische Buchten trug.

Dortunten freuet nun der König Menelas

Der Rückkehr samt den tapfersten seiner Krieger sich.

Du aber heiße mich willkommen, hohes Haus,

Das Tyndareos, mein Vater, nah dem Hange sich

Von Pallas Hügel wiederkehrend aufgebaut

Und, als ich hier mit Klytämnestren schwesterlich,

Mit Castor auch und Pollux fröhlich spielend wuchs,

Vor allen Häusern Spartas herrlich ausgeschmückt.

Gegrüßet seid mir, der ehrnen Pforte Flügel ihr!

Durch euer gastlich ladendes Weit-Eröffnen einst

Geschahs, daß mir, erwählt aus vielen, Menelas

In Bräutigamsgestalt entgegenleuchtete.

Eröffnet mir sie wieder, daß ich ein Eilgebot

Des Königs treu erfülle, wie der Gattin ziemt!

Laßt mich hinein! und alles bleibe hinter mir,

Was mich umstürmte bis hieher, verhängnisvoll!

Denn seit ich diese Schwelle sorgenlos verließ,

Cytherens Tempel besuchend, heiliger Pflicht gemäß,

Mich aber dort ein Räuber griff, der phrygische,

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