Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 23)
ich sehe Euch wieder! Ab.
ADELHEID: Mich wieder? Wir wollen dafür sein. Margarete, wenn er kommt, weis ihn ab. Ich bin krank, habe Kopfweh, ich schlafe – Weis ihn ab. Wenn er noch zu gewinnen ist, so ist's auf diesem Wege. Ab.
Vorzimmer
Weislingen. Franz.
WEISLINGEN: Sie will mich nicht sehn?
FRANZ: Es wird Nacht, soll ich die Pferde satteln?
WEISLINGEN: Sie will mich nicht sehn!
FRANZ: Wann befehlen Ihro Gnaden die Pferde?
WEISLINGEN: Es ist zu spät! Wir bleiben hier.
FRANZ: Gott sei Dank! Ab.
WEISLINGEN: Du bleibst! Sei auf deiner Hut, die Versuchung ist groß. Mein Pferd scheute, wie ich zum Schloßtor hereinwollte, mein guter Geist stellte sich ihm entgegen, er kannte die Gefahren, die mein hier warteten. – Doch ist's nicht recht, die vielen Geschäfte, die ich dem Bischof unvollendet liegenließ, nicht wenigstens so zu ordnen, daß ein Nachfolger da anfangen kann, wo ich's gelassen habe. Das kann ich doch alles tun, unbeschadet Berlichingen und unserer Verbindung. Denn halten sollen sie mich hier nicht. – Wäre doch besser gewesen, wenn ich nicht gekommen wäre. Aber ich will fort – morgen oder übermorgen. Geht ab.
Im Spessart
Götz. Selbitz. Georg.
SELBITZ: Ihr seht, es ist gegangen, wie ich gesagt habe.
GÖTZ: Nein! Nein! Nein!
GEORG: Glaubt, ich berichte Euch mit der Wahrheit. Ich tat, wie Ihr befahlt, nahm den Kittel des Bambergischen und sein Zeichen, und damit ich doch mein Essen und Trinken verdiente, geleitete ich Reineckische Bauern hinauf nach Bamberg.
SELBITZ: In der Verkappung? Das hätte dir übel geraten können.
GEORG: So denk ich auch hintendrein. Ein Reitersmann, der das vorausdenkt, wird keine weiten Sprünge machen. Ich kam nach Bamberg, und gleich im Wirtshaus hörte ich erzählen: Weislingen und der Bischof seien ausgesöhnt, und man redte viel von einer Heirat mit der Witwe des von Walldorf.
GÖTZ: Gespräche.
GEORG: Ich sah ihn, wie er sie zur Tafel führte. Sie ist schön, bei meinem Eid, sie ist schön. Wir bückten uns alle, sie dankte uns allen, er nickte mit dem Kopf, sah sehr vergnügt, sie gingen vorbei, und das Volk murmelte: “Ein schönes Paar!”
GÖTZ: Das kann sein.
GEORG: Hört weiter! Da er des andern Tags in die Messe ging, paßt ich meine Zeit ab. Er war allein mit einem Knaben. Ich stund unten an der Treppe und sagte leise zu ihm: “Ein paar Worte von Euerm Berlichingen.” Er ward bestürzt; ich sahe das Geständnis seines Lasters in seinem Gesicht, er hatte kaum das Herz, mich anzusehen, mich, einen schlechten Reitersjungen.
SELBITZ: Das macht, sein Gewissen war schlechter als dein Stand.
GEORG: “Du bist bambergisch?” sagt' er. “Ich bring einen Gruß vom Ritter Berlichingen”, sagt ich, “und soll fragen –” – “Komm morgen früh”, sagt' er, “an mein Zimmer, wir wollen weiter reden.”
GÖTZ: Kamst du?
GEORG: Wohl kam ich und mußt im Vorsaal stehn, lang, lang. Und die seidnen Buben beguckten mich von vorn und hinten. Ich dachte, guckt ihr – Endlich führte man mich hinein, er schien böse, mir war's einerlei. Ich trat zu ihm und legte meine Kommission ab. Er tat feindlich böse wie einer, der kein Herz hat und 's nit will merken lassen. Er