Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 21)

wollen Georgen des Bamberger Reiters erbeuteten Kittel anziehen und ihm das Geleitzeichen geben; er mag nach Bamberg reiten und sehen, wie's steht.

GEORG: Da hab ich lange drauf gehofft.

GÖTZ: Es ist dein erster Ritt. Sei vorsichtig, Knabe! Mir wäre leid, wenn dir ein Unfall begegnen sollt.

GEORG: Laßt nur, mich irrt's nicht, wenn noch soviel um mich herumkrabbeln, mir ist's, als wenn's Ratten und Mäuse wären. Ab.

Bamberg

Bischof. Weislingen.

BISCHOF: Du willst dich nicht länger halten lassen!

WEISLINGEN: Ihr werdet nicht verlangen, daß ich meinen Eid brechen soll.

BISCHOF: Ich hätte verlangen können, du solltest ihn nicht schwören. Was für ein Geist regierte dich? Konnt ich dich ohne das nicht befreien? Gelt ich so wenig am Kaiserlichen Hofe?

WEISLINGEN: Es ist geschehen; verzeiht mir, wenn Ihr könnt.

BISCHOF: Ich begreif nicht, was nur im geringsten dich nötigte, den Schritt zu tun! Mir zu entsagen! Waren denn nicht hundert andere Bedingungen, loszukommen? Haben wir nicht seinen Buben? Hätt ich nicht Gelds genug gegeben und ihn wieder beruhigt? Unsere Anschläge auf ihn und seine Gesellen wären fortgegangen – Ach, ich denke nicht, daß ich mit seinem Freunde rede, der nun wider mich arbeitet und die Minen leicht entkräften kann, die er selbst gegraben hat.

WEISLINGEN: Gnädiger Herr!

BISCHOF: Und doch – wenn ich wieder dein Angesicht sehe, deine Stimme höre! Es ist nicht möglich, nicht möglich.

WEISLINGEN: Lebt wohl, gnädiger Herr.

BISCHOF: Ich gebe dir meinen Segen. Sonst, wenn du gingst, sagt ich: Auf Wiedersehn! Jetzt – Wollte Gott, wir sähen einander nie wieder!

WEISLINGEN: Es kann sich vieles ändern.

BISCHOF: Es hat sich leider nur schon zu viel geändert. Vielleicht seh ich dich noch einmal als Feind vor meinen Mauern die Felder verheeren, die ihren blühenden Zustand dir jetzo danken.

WEISLINGEN: Nein, gnädiger Herr.

BISCHOF: Du kannst nicht nein sagen. Die weltlichen Stände, meine Nachbarn, haben alle einen Zahn auf mich. Solang ich dich hatte – Geht, Weislingen! Ich habe Euch nichts mehr zu sagen. Ihr habt vieles zunichte gemacht. Geht!

WEISLINGEN: Und ich weiß nicht, was ich sagen soll.

Bischof ab.

Franz tritt auf.

FRANZ: Adelheid erwartet Euch. Sie ist nicht wohl. Und doch will sie Euch ohne Abschied nicht lassen.

WEISLINGEN: Komm.

FRANZ: Gehn wir denn gewiß?

WEISLINGEN: Noch diesen Abend.

FRANZ: Mir ist, als wenn ich aus der Welt sollte.

WEISLINGEN: Mir auch, und noch darzu, als wüßt ich nicht wohin.

Adelheidens Zimmer

Adelheid. Fräulein.

FRÄULEIN: Ihr seht blaß, gnädige Frau.

ADELHEID: – Ich lieb ihn nicht und wollte doch, daß er bliebe. Siehst du, ich könnte mit ihm leben, ob ich ihn gleich nicht zum Manne haben möchte.

FRÄULEIN: Glaubt Ihr, er geht?

ADELHEID: Er ist zum Bischof, um Lebewohl zu sagen.

FRÄULEIN: Er hat darnach noch einen schweren Stand.

ADELHEID: Wie meinst du?

FRÄULEIN: Was fragt Ihr, gnädige Frau? Ihr habt sein Herz geangelt, und wenn er sich losreißen will, verblutet er.

Adelheid. Weislingen.

WEISLINGEN: Ihr seid nicht wohl, gnädige Frau?

ADELHEID: Das kann Euch einerlei sein. Ihr verlaßt uns, verlaßt uns auf immer. Was fragt Ihr, ob wir leben oder sterben.

WEISLINGEN: Ihr verkennt mich.

ADELHEID: Ich nehme Euch, wie Ihr Euch gebt.

WEISLINGEN: Das Ansehn trügt.

ADELHEID: So seid Ihr ein Chamäleon?

WEISLINGEN: Wenn Ihr mein Herz sehen könntet!

ADELHEID: Schöne

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