Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 19)

mag?

LIEBETRAUT: Was? Die Ursachen lassen sich herunterbeten wie ein Rosenkranz. Er ist in eine Art von Zerknirschung gefallen, von der ich ihn leicht kurieren wollt.

BISCHOF: Tut das, reitet zu ihm!

LIEBETRAUT: Meinen Auftrag!

BISCHOF: Er soll unumschränkt sein. Spare nichts, wenn du ihn zurückbringst.

LIEBETRAUT: Darf ich Euch auch hineinmischen, gnädige Frau?

ADELHEID: Mit Bescheidenheit.

LIEBETRAUT: Das ist eine weitläufige Kommission.

ADELHEID: Kennt Ihr mich so wenig oder seid Ihr so jung, um nicht zu wissen, in welchem Ton Ihr mit Weislingen von mir zu reden habt?

LIEBETRAUT: Im Ton einer Wachtelpfeife, denk ich.

ADELHEID: Ihr werdet nie gescheit werden!

LIEBETRAUT: Wird man das, gnädige Frau?

BISCHOF: Geht, geht. Nehmt das beste Pferd aus meinem Stall, wählt Euch Knechte und schafft mir ihn her!

LIEBETRAUT: Wenn ich ihn nicht herbanne, so sagt: ein altes Weib, das Warzen und Sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der Sympathie als ich.

BISCHOF: Was wird das helfen! Berlichingen hat ihn ganz eingenommen. Wenn er herkommt, wird et wieder fort wollen.

LIEBETRAUT: Wollen, das ist keine Frage, aber ob er kann. Der Händedruck eines Fürsten und das Lächeln einer schönen Frau! Da reißt sich kein Weisling los. Ich eile und empfehle mich zu Gnaden.

BISCHOF: Reist wohl.

ADELHEID: Adieu.

Er geht.

BISCHOF: Wenn er einmal hier ist, verlaß ich mich auf Euch.

ADELHEID: Wollt Ihr mich zur Leimstange brauchen?

BISCHOF: Nicht doch.

ADELHEID: Zum Lockvogel denn?

BISCHOF: Nein, den spielt Liebetraut. Ich bitt Euch, versagt mir nicht, was mir sonst niemand gewähren kann.

ADELHEID: Wollen sehn.

Jagsthausen

Hans von Selbitz. Götz.

SELBITZ: Jedermann wird Euch loben, daß Ihr denen von Nürnberg Fehd angekündigt habt.

GÖTZ: Es hätte mir das Herz abgefressen, wenn ich's ihnen hätte lang schuldig bleiben sollen. Es ist am Tag, sie haben den Bambergern meinen Buben verraten. Sie sollen an mich denken!

SELBITZ: Sie haben einen alten Groll gegen Euch.

GÖTZ: Und ich wider sie; mir ist gar recht, daß sie angefangen haben.

SELBITZ: Die Reichsstädte und Pfaffen halten doch von jeher zusammen.

GÖTZ: Sie haben's Ursach.

SELBITZ: Wir wollen ihnen die Hölle heiß machen.

GÖTZ: Ich zählte auf Euch. Wollte Gott, der Burgemeister von Nürnberg, mit der güldenen Kett um den Hals, käm uns in Wurf, er sollt sich mit all seinem Witz verwundern.

SELBITZ: Ich höre, Weislingen ist wieder auf Eurer Seite. Tritt er zu uns?

GÖTZ: Noch nicht; es hat seine Ursachen, warum er uns noch nicht öffentlich Vorschub tun darf; doch ist's eine Weile genug, daß er nicht wider uns ist. Der Pfaff ist ohne ihn, was das Meßgewand ohne den Pfaffen.

SELBITZ: Wann ziehen wir aus?

GÖTZ: Morgen oder übermorgen. Es kommen nun bald Kaufleute von Bamberg und Nürnberg aus der Frankfurter Messe. Wir werden einen guten Fang tun.

SELBITZ: Will's Gott. Ab.

Bamberg

Zimmer der Adelheid.

Adelheid. Kammerfräulein.

ADELHEID: Er ist da! sagst du. Ich glaub es kaum.

FRÄULEIN: Wenn ich ihn nicht selbst gesehn hätte, würd ich sagen, ich zweifle.

ADELHEID: Den Liebetraut mag der Bischof in Gold einfassen, er hat ein Meisterstück gemacht.

FRÄULEIN: Ich sah ihn, wie er zum Schloß hereinreiten wollte, er saß auf einem Schimmel. Das Pferd scheute, wie's an die Brücke kam, und wollte nicht von der Stelle. Das Volk war aus allen Straßen gelaufen, ihn zu sehn. Sie freuten

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