Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 33)

auf meine Schultern, da kannst du die Lücke reichen und dir bis zur Öffnung hinaufhelfen.

ERSTER KNECHT steigt hinauf: Ach, Herr!

SELBITZ: Was siehest du?

ERSTER KNECHT: Eure Reiter fliehen der Höhe zu.

SELBITZ: Höllische Schurken! Ich wollt, sie stünden und ich hätt eine Kugel vorm Kopf. Reit einer hin und fluch und wetter sie zurück!

Knecht ab.

Siehest du Götzen?

KNECHT: Die drei schwarzen Federn seh ich mitten im Getümmel.

SELBITZ: Schwimm, braver Schwimmer. Ich liege hier!

KNECHT: Ein weißer Federbusch, wer ist das?

SELBITZ: Der Hauptmann.

KNECHT: Götz drängt sich an ihn – Bauz! Er stürzt.

SELBITZ: Der Hauptmann?

KNECHT: Ja, Herr.

SELBITZ: Wohl! Wohl!

KNECHT: Weh! Weh! Götzen seh ich nicht mehr.

SELBITZ: So stirb, Selbitz!

KNECHT: Ein fürchterlich Gedräng, wo er stund. Georgs blauer Busch verschwindt auch.

SELBITZ: Komm herunter. Siehst du Lersen nicht?

KNECHT: Nichts. Es geht alles drunter und drüber.

SELBITZ: Nichts mehr. Komm! Wie halten sich Sickingens Reiter?

KNECHT: Gut. – Da flieht einer nach dem Wald. Noch einer! Ein ganzer Trupp! Götz ist hin.

SELBITZ: Komm herab!

KNECHT: Ich kann nicht. – Wohl! Wohl! Ich sehe Götzen! Ich sehe Georgen!

SELBITZ: Zu Pferd?

KNECHT: Hoch zu Pferd! Sieg! Sieg! Sie fliehn.

SELBITZ: Die Reichstruppen?

KNECHT: Die Fahne mittendrin, Götz hintendrein. Sie zerstreuen sich. Götz erreicht den Fähndrich – Er hat die Fahn – Er hält. Eine Handvoll Menschen um ihn herum. Mein Kamerad erreicht ihn – Sie ziehn herauf.

Götz. Georg. Lerse. Ein Trupp.

SELBITZ: Glück zu, Götz! Sieg! Sieg!

GÖTZ steigt vom Pferd: Teuer! Teuer! Du bist verwundt, Selbitz?

SELBITZ: Du lebst und siegst! Ich habe wenig getan. Und meine Hunde von Reitern! Wie bist du davongekommen?

GÖTZ: Diesmal galt's! Und hier Georgen dank ich das Leben, und hier Lersen dank ich's. Ich warf den Hauptmann vom Gaul. Sie stachen mein Pferd nieder und drangen auf mich ein; Georg hieb sich zu mir und sprang ab, ich wie der Blitz auf seinen Gaul, wie der Donner saß er auch wieder. Wie kamst du zum Pferd?

GEORG: Einem, der nach Euch hieb, stieß ich meinen Dolch in die Gedärme, wie sich sein Harnisch in die Höhe zog. Er stürzt', und ich half Euch von einem Feind und mir zu einem Pferde.

GÖTZ: Nun staken wir, bis sich Franz zu uns hereinschlug, und da mähten wir von innen heraus.

LERSE: Die Hunde, die ich führte, sollten von außen hinein mähen, bis sich unsere Sensen begegnet hätten; aber sie flohen wie Reichsknechte.

GÖTZ: Es flohe Freund und Feind. Nur du, kleiner Hauf, hieltest mir den Rücken frei; ich hatte mit den Kerls vor mir genug zu tun. Der Fall ihres Hauptmanns half mir sie schütteln, und sie flohen. Ich habe ihre Fahne und wenig Gefangene.

SELBITZ: Der Hauptmann ist Euch entwischt?

GÖTZ: Sie hatten ihn inzwischen gerettet. Kommt, Kinder, kommt, Selbitz! – Macht eine Bahre von Ästen; – du kannst nicht aufs Pferd. Kommt in mein Schloß. Sie sind zerstreut. Aber unser sind wenig, und ich weiß nicht, ob sie Truppen nachzuschicken haben. Ich will euch bewirten, meine Freunde. Ein Glas Wein schmeckt auf so einen Strauß.

Lager

Hauptmann.

HAUPTMANN: Ich möcht euch alle mit eigner Hand umbringen! Was, fortlaufen! Er hatte keine Handvoll Leute mehr! Fortzulaufen vor einem Mann! Es wird's

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