Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 95)
Wände und Decke warf, grinsten mich allerlei verzerrte Gesichter an; ich löschte die Lampe aus, ich barg mich in das Strohkissen, aber gräßlicher tönte dann das dumpfe Stöhnen, das Kettengerassel der Gefangenen durch die grauenvolle Stille der Nacht. Oft war es mir, als höre ich Euphemiens – Viktorins Todesröcheln. »Bin ich denn schuld an euerm Verderben? Wart ihr es nicht selbst, Verruchte, die ihr euch hingabt meinem rächenden Arm?« So schrie ich laut auf, aber dann ging ein langer tief ausatmender Todesseufzer durch die Gewölbe, und in wilder Verzweiflung heulte ich: »Du bist es, Hermogen! ... Nah ist die Rache! ... Keine Rettung mehr!« – In der neunten Nacht mochte es sein, als ich, halb ohnmächtig von Grauen und Entsetzen, auf dem kalten Boden des Gefängnisses ausgestreckt lag. Da vernahm ich deutlich unter mir ein leises, abgemessenes Klopfen. Ich horchte auf, das Klopfen dauerte fort, und dazwischen lachte es seltsamlich aus dem Boden hervor! – Ich sprang auf und warf mich auf das Strohlager, aber immerfort klopfte es und lachte und stöhnte dazwischen. – Endlich rief es leise, leise, aber wie mit häßlicher, heiserer, stammelnder Stimme hintereinander fort: »Me-dar-dus! Me-dar-dus!« – Ein Eisstrom goß sich mir durch die Glieder! Ich ermannte mich und rief: »Wer da! Wer ist da?« – Lauter lachte es nun und stöhnte und ächzte und klopfte und stammelte heiser: »Me-dar-dus ... Me-dar-dus!« – Ich raffte mich auf vom Lager. »Wer du auch bist, der du hier tollen Spuk treibst, stell dich her, sichtbarlich vor meine Augen, daß ich dich schauen mag, oder höre auf mit deinem wüsten Lachen und Klopfen!« – So rief ich in die dicke Finsternis hinein, aber recht unter meinen Füßen klopfte es stärker und stammelte: »Hihihi... hihihi... Brü-der-lein ... Brü-der-lein ... Me-dar-dus ... ich bin da ... bin da ... ma-mach auf ... auf ... wir wollen in den Wa-Wald gehn ... Wald gehn!« – Jetzt tönte die Stimme dunkel in meinem Innern wie bekannt; ich hatte sie schon sonst gehört, doch nicht, wie es mich dünkte, so abgebrochen und so stammelnd. Ja, mit Entsetzen glaubte ich, meinen eignen Sprachton zu vernehmen. Unwillkürlich, als wollte ich versuchen, ob es dem so sei, stammelte ich nach: »Me-dar-dus ... Me-dar-dus!« Da lachte es wieder, aber höhnisch und grimmig und rief: »Brü-der-lein ... Brü-der-lein, hast ... du, du mi-mich erkannt ... erkannt? Ma-mach auf, wir wo-wollen in den Wa-Wald ... in den Wald!« – »Armer Wahnsinniger«, so sprach es dumpf und schauerlich aus mir heraus, »armer Wahnsinniger, nicht aufmachen kann ich dir, nicht heraus mit dir in den schönen Wald, in die herrliche, freie Frühlingsluft, die draußen wehen mag; eingesperrt im dumpfen, düstren Kerker bin ich wie du!« – Da ächzte es in trostlosem Jammer, und immer leiser und unvernehmlicher wurde das Klopfen, bis es endlich ganz schwieg; der Morgen brach durch das Fenster, die Schlösser rasselten, und der Kerkermeister, den ich die ganze Zeit über nicht gesehen, trat herein. »Man hat«, fing er an, »in dieser Nacht allerlei Lärm in Ihrem Zimmer gehört und