Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 97)

niemals in B.?«

»Niemals!«

»Der Weg von Königsberg hierher kann Sie über den Ort geführt haben.«

»Ich habe eine andere Straße eingeschlagen.«

»Haben Sie nie einen Mönch aus dem Kapuzinerkloster in B. kennengelernt?«

»Nein!«

Der Richter klingelte und gab dem hereintretenden Gerichtsdiener leise einen Befehl. Bald darauf öffnete sich die Türe, und wie durchbebten mich Schreck und Entsetzen, als ich den Pater Cyrillus eintreten sah. Der Richter frug:

»Kennen Sie diesen Mann?«

»Nein ...! Ich habe ihn früher niemals gesehen!«

Da heftete Cyrillus den starren Blick auf mich, dann trat er näher; er schlug die Hände zusammen und rief laut, indem Tränen ihm aus den Augen gewaltsam hervorquollen: »Medardus, Bruder Medardus! ... Um Christi willen, wie muß ich dich wiederfinden, im Verbrechen teuflisch frevelnd. Bruder Medardus, gehe in dich, bekenne, bereue ... Gottes Langmut ist unendlich!« – Der Richter schien mit Cyrillus' Rede unzufrieden, er unterbrach ihn mit der Frage: »Erkennen Sie diesen Mann für den Mönch Medardus aus dem Kapuzinerkloster in B.?«

»So wahr mir Christus helfe zur Seligkeit«, erwiderte Cyrillus, »so kann ich nicht anders glauben, als daß dieser Mann, trägt er auch weltliche Kleidung, jener Medardus ist, der im Kapuzinerkloster zu B. unter meinen Augen Novize war und die Weihe empfing. Doch hat Medardus das rote Zeichen eines Kreuzes an der linken Seite des Halses, und wenn dieser Mann ...« – »Sie bemerken«, unterbrach der Richter den Mönch, sich zu mir wendend, »daß man Sie für den Kapuziner Medardus aus dem Kloster in B. hält und daß man ebendiesen Medardus schwerer Verbrechen halber angeklagt hat. Sind Sie nicht dieser Mönch, so wird es Ihnen leicht werden, dies darzutun; eben daß jener Medardus ein besonderes Abzeichen am Halse trägt – welches Sie, sind Ihre Angaben richtig, nicht haben können –, gibt Ihnen die beste Gelegenheit dazu. Entblößen Sie Ihren Hals.« – »Es bedarf dessen nicht«, erwiderte ich gefaßt, »ein besonderes Verhängnis scheint mir die treueste Ähnlichkeit mit jenem angeklagten, mir gänzlich unbekannten Mönch Medardus gegeben zu haben, denn selbst ein rotes Kreuzzeichen trage ich an der linken Seite des Halses.« – Es war dem wirklich so, jene Verwundung am Halse, die mir das diamantene Kreuz der Äbtissin zufügte, hatte eine rote, kreuzförmige Narbe hinterlassen, die die Zeit nicht vertilgen konnte. »Entblößen Sie Ihren Hals«, wiederholte der Richter. – Ich tat es, da schrie Cyrillus laut: »Heilige Mutter Gottes, es ist es, es ist das rote Kreuzzeichen! ... Medardus! ... Ach, Bruder Medardus, hast du denn ganz entsagt dem ewigen Heil?« – Weinend und halb ohnmächtig sank er in einen Stuhl. »Was erwidern Sie auf die Behauptung dieses ehrwürdigen Geistlichen?« frug der Richter. In dem Augenblick durchfuhr es mich wie eine Blitzesflamme; alle Verzagtheit, die mich zu übermannen drohte, war von mir gewichen, ach, es war der Widersacher selbst, der mir zuflüsterte: »Was vermögen diese Schwächlinge gegen dich Starken in Sinn und Geist? Soll Aurelie denn nicht dein werden?« – Ich fuhr heraus beinahe in wildem, höhnendem Trotz: »Dieser Mönch da, der ohnmächtig im Stuhle liegt, ist ein schwachsinniger, blöder Greis, der in toller Einbildung mich für irgendeinen verlaufenen

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