Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 98)

Kapuziner seines Klosters hält, von dem ich vielleicht eine flüchtige Ähnlichkeit trage.« –

Der Richter war bis jetzt in ruhiger Fassung geblieben, ohne Blick und Ton zu ändern, zum erstenmal verzog sich nun sein Gesicht zum finstern, durchbohrenden Ernst, er stand auf und blickte mir scharf ins Auge. Ich muß gestehen, selbst das Funkeln seiner Gläser hatte für mich etwas Unerträgliches, Entsetzliches, ich konnte nicht weiterreden, von innerer verzweifelnder Wut grimmig erfaßt, die geballte Faust vor der Stirn, schrie ich laut auf: »Aurelie!« – »Was soll das, was bedeutet der Name?« frug der Richter heftig. – »Ein dunkles Verhängnis opfert mich dem schmachvollen Tode«, sagte ich dumpf, »aber ich bin unschuldig, gewiß ... ich bin ganz unschuldig ... entlassen Sie mich ... haben Sie Mitleiden! ... Ich fühle es, daß Wahnsinn mir durch Nerv und Adern zu toben beginnt ... entlassen Sie mich!« –

Der Richter, wieder ganz ruhig geworden, diktierte dem Protokollführer vieles, was ich nicht verstand, endlich las er mir eine Verhandlung vor, worin alles, was er gefragt und was ich geantwortet sowie was sich mit Cyrillus zugetragen hatte, verzeichnet war. Ich mußte meinen Namen unterschreiben, dann forderte mich der Richter auf, irgend etwas polnisch und deutsch aufzuzeichnen, ich tat es. Der Richter nahm das deutsche Blatt und gab es dem Pater Cyrillus, der sich unterdessen wieder erholt hatte, mit der Frage in die Hände: »Haben diese Schriftzüge Ähnlichkeit mit der Hand, die ihr Klosterbruder Medardus schrieb?« – »Es ist ganz genau seine Hand, bis auf die kleinsten Eigentümlichkeiten«, erwiderte Cyrillus und wandte sich wieder zu mir. Er wollte sprechen, ein Blick des Richters wies ihn zur Ruhe. Der Richter sah das von mir geschriebene polnische Blatt sehr aufmerksam durch, dann stand er auf, trat dicht vor mir hin und sagte mit sehr ernstem, entscheidendem Ton:

»Sie sind kein Pole. Diese Schrift ist durchaus unrichtig, voller grammatischer und orthographischer Fehler. Kein Nationalpole schreibt so, wäre er auch viel weniger wissenschaftlich ausgebildet, als Sie es sind.«

»Ich bin in Krcziniewo geboren, folglich allerdings ein Pole. Selbst aber in dem Fall, daß ich es nicht wäre, daß geheimnisvolle Umstände mich zwängen, Stand und Namen zu verleugnen, so würde ich deshalb doch nicht der Kapuziner Medardus sein dürfen, der aus dem Kloster in B., wie ich glauben muß, entsprang.«

»Ach, Bruder Medardus«, fiel Cyrillus ein, »schickte dich unser ehrwürdiger Prior Leonardus nicht im Vertrauen auf deine Treue und Frömmigkeit nach Rom? ... Bruder Medardus! Um Christi willen, verleugne nicht länger auf gottlose Weise den heiligen Stand, dem du entronnen.«

»Ich bitte Sie, uns nicht zu unterbrechen«, sagte der Richter und fuhr dann, sich zu mir wendend, fort:

»Ich muß Ihnen bemerklich machen, wie die unverdächtige Aussage dieses ehrwürdigen Herrn die dringendste Vermutung bewirkt, daß Sie wirklich der Medardus sind, für den man Sie hält. Nicht verhehlen mag ich auch, daß man Ihnen mehrere Personen entgegenstellen wird, die Sie für jenen Mönch unzweifelhaft erkannt haben. Unter diesen Personen befindet sich eine, die Sie, treffen die Vermutungen ein, schwer fürchten müssen. Ja selbst unter Ihren eigenen Sachen hat sich manches

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