Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 26)
Freilich kennt ihn Hr. v. Nieß nicht oder will es nicht; so seltsam fragt er ihn an. Ich habe Dir ihn überhaupt noch nicht gemalt, so mag er mir denn sitzen auf dem Kutschenkissen. Recht klug wird man nicht aus ihm; er wirft nicht sich, aber das Geld weg (fast zu sehr). – Er schimmert und schneidet, wie der Demant in seinem Ringe; und ist doch weich dabei und stets auf der Jagd nach warmen Augenblicken. – Ein Held ist er auch nicht, ja nicht einmal eine Heldin; vor dem kleinsten Stachelchen fährt er in die Bienenkappe – wie ich Dir nachher meine eigne Perücke als Beweis und Bienenkappe vorzeigen will. – Übrigens hat er alle nachgiebige Bescheidenheit des Weltmannes, der sich auf die Voraussetzung seines Werts verläßt – und dabei fein-fein und sonst mehr. – Dies ist aber eben der Punkt; von sich spricht er fast kein Wort, unaufhörlich von seinem Jugendfreunde, dem Dichter, gleichsam als wäre sein Leben nur die Grundierung für diese Hauptfigur. Auffallend ists, daß er nicht mit dem feurigen Gefühl, wie etwan ich, von ihm redet, sondern fast ohne Teilnahme (er berichtet bloß Tatsachen), so daß es scheint, er wolle nur meinem Geschmacke zu Gefallen reden und dabei unterderhand für jemand anders den Angelhaken auswerfen als für unsern Theudobach. Zwischen diesem Namen und dem meinigen find er etymologisch, sagt' er, nur den Unterschied des Geschlechts, worüber ich ordentlich zusammenfuhr, weil ich nie darauf gefallen war. Aber warum sagt er mir solches angenehme Zeug, da er doch sieht, daß er mich nur durch ein ganz fernes Herz in Flammen setzt? Eilte Dein Mann nicht so fürchterlich: wahrlich, ich wollte vernünftig schreiben. Ich sage Dir donnerstags alles, wenn es auch der Freitag widerlegt. In der Fremde ist man gegen Fremde (ja gegen Einheimische) weniger fremd als zu Hause; ich fragte geradezu Hrn. v. Nieß, wie der Dichter aussehe. ›Wie stellen Sie sich ihn denn vor?‹ fragt' er. – ›Wie die edleren Geschöpfe dieses Schöpfers selber‹, versetzt ich. ›Er soll und wird aussehen wie ein nicht zu junger Ritter der alten Zeit – vorragend auch unter Männern – Er muß Augen voll Dichter- und Kriegerfeuer haben und doch dabei solche Herzens-Lieblichkeit, daß er sein Pferd ebensogut streichelt als spornt und ein gefallnes Kindchen aufhebt und abküßt, eh ers der Mutter reicht – Auf seiner Stirn müssen ohnehin alle Welten stehen, die er geschaffen, samt den künftigen Weltteilen – Köstlich muß er aussehen – Der Bergrücken seiner Nase ... (Hier, Bona, dacht ich an Deinen Rat) – Nun, Sie haben ja die Nase selber gesehen, und ich gedenke, das auch zu tun.‹
Hierauf versetzte Hr. v. Nieß: ›Vielleicht sollt er, Demoiselle, diese Gestalt nach Maler-Ideal haben; aber leider sieht er fast so aus wie ich.‹
Gewiß hab ich darauf ein einfältiges Staun-Gesicht gemacht und wohl gar die Antwort gegeben: ›Wie Sie?‹ – Überhaupt schien meine zu lebhafte Vorschilderei seines Freundes ihn nicht sonderlich zu ergötzen. – ›Theoda und Theudobach‹, fuhr er fort, ›behalten ihre Ähnlichkeit sogar in der Statur; denn er