Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 33)

weniger verlor als er selber. – Das Subjekt hielt im Nachtrabe den Stößel in die Lüfte aufgehoben und drohte nach Vermögen. – –

Aber jetzt ersah der Pharmazeutikus den langen amerikanischen Giftpfeil nackt vorstechend und wollte hinter den Subekts-Hintergrund zurück. – »Um Gottes willen, Leute«, rief der Doktor, »rettet euch – springt insgesamt zurück – auf wen ich diesen Giftpfeil zuwerfe, der fällt auf der Stelle tot nieder, eh er nur meinen Steiß erblickt!«

Da der Mensch stets neue Waffen und Gefahren mehr scheut als die gefährlichsten bekannten, so ging die ganze pharmazeutische Fechtschule rückwärts, und der Doktor ohnehin, bis er auf diese Weise mit seinem Hasen und dem zielenden Wurfspieß und seinem Rücken an den Fußtritt seines Wagens gelangte. Darauf fiel zwar die erhitzte Apotheke wieder von ferne aus – der Apotheker begleitete den Siegwagen, wie einen römischen, mit Schimpfworten – der Provisor schleuderte präparierte Gläser voll Kühltränke dem Hasendiebe nach und zerrte vor Wut, um die Brustwarze und die Splitterschere gebracht zu sein, mit beiden Zeigefingern die beiden Mundwinkel bis an den Backenbart auseinander, um allgemeines Grausen auszubreiten – und das Subjekt hieb in der Weite mit der Mörserkeule heftig in das Stein-Pflaster und kegelte noch mit den Füßen Steine nach; inzwischen Katzenberger und die Hasen fuhren ab, und er lachte munter zurück.

So aber, ihr Menschen, schnappen öfters Krieg-Trubeln passabel ab, und am Friedenfeste sagt der eine: ich bin noch der alte und wie neugeboren – und der zweite: verflucht! wir leben ja ordentlich wieder auf – und der dritte: ich hätte mehr wissen sollen, ich hätte mich weniger gefürchtet; denn mein Herz sitzt wohl auf dem rechten Fleck – und der vierte: aber die Hasen haben wir doch in diesem Kriege verloren.

Indes hat darin, außer dem Doktor, der nicht durch einen Doppeladler, sondern einen Doppeladler selber gewann, noch eine Person viel erbeutet, welche dem Leser die nächste ist, nämlich ich hier. Zweite Auflagen haben den Vorzug, daß man darin Sachen sagen kann, welche durchaus in keiner ersten vorzubringen sind; so konnt ich in der ersten dieses Werks gar nicht die schöne Nachricht mitteilen, daß der berühmte Zergliederer Johann Friederich Meckel in Halle – der Erbe und Mehrer des Reiches vom väterlichen Ruhm – mir im Jahr 1815 seinen de duplicitate monstrosa commentarium nicht nur geschenkt, sondern auch zugeeignet, und zwar in einem schönern Latein, als ich noch erlernen kann. Niemand aber habe ich diese lateinische Triumphpforte zu verdanken als – laut der Zueignung – den Grundsätzen und Krieglisten des Dr. Katzenbergers, der jetzo den kenntnisvollen und scharfsinnigen Commentarius längst in Händen haben und sich über Buch und mich erfreuen muß. Und hiemit erhalte Meckel nach dem geschriebenen Dank auch den gedruckten für sein Foliobändchen über den organischen Dualis oder die monströse Doppelheit, die an Körpern ebenso selten als widrig ist, indes die häufigere Doppelheit an Seelen weit angenehmer wirkt und sich auf die Zunge einschränkt durch Doppelzüngigkeit, Doppelsinn usw.

Sechzehnte Summula

Ankunft-Sitzung

Niemand fuhr wohl jemals froher mit Hasen als Katzenberger mit seinen. Es war ihm ein leichtes und ein

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