Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 34)
Spaß, mit seiner Mißgeburt im Arm jedes Wort auszudauern, das Nieß von erster Jugendliebe, dem Frühgottesdienst gegen weibliche Göttinnen und von Theudobachs seligmachendem Glauben an diese ihm an die Ohren warf; denn er wußte, was er hatte. Süßlich durchtastete er den Hasen-Zwilling und weidete ihn geistig aus. Seinem Kutscher befahl er, jetzt am wenigsten umzuwerfen, weil er sonst die Hasen bezahlen müßte und nachher aus dem Dienst gejagt würde ohne Livrei.
Nun schlug er der Gesellschaft, eigentlich dem Edelmanne, die Frage zur Abstimmung vor, ob man schon die nächste Nacht sehr spät in Maulbronn anlangen wolle oder lieber in Fugnitz verbleiben, der Zäckinger Grenzstadt, wenige Stunden von Maulbronn. Theoda bestand auf schnelle Ankunft; sie wollte wenigstens mit dem schlafenden Dichter in demselben Gelobten Lande und unter einer Wolke sein. Der Edelmann sagte, er habe den eigennützigen Wunsch, erst morgen anzukommen, weil ein Wagen enger vereinige als ein Baddorf. Die heimlichern Gründe seines Wunsches waren, am Tage vom Turm herab mit dem Bade-Ständchen angeblasen zu werden – ferner sich den Genuß des Inkognitos und das Hineinfühlen in Theodas wachsende Herzspannung zu verlängern – und endlich, um mit ihr abends durch das gewachsene Mondlicht spazierenzuwaten. Der Doktor schlug sich mit Freuden zu ihm; Nieß trug mit dichterischer Großmut die Frachtkosten für ihn und kürzte aus dichterischer Weichlichkeit alles Reise-Gezänk durch Doppel-Gaben ab, um auch die kleinsten Himmelstürmer von seinem Freuden-Himmel fernzuhalten. Ohnehin, sagte der Doktor, müß er in Fugnitz eine neue Scheide für seinen gefährlichen Giftpfeil machen lassen; und er reise ja überhaupt nur nach dem Bad-Neste, um da einen unreifen Rezensenten, den er nicht eher nenne, bis er ihn injuriert habe, auf jene Weise zu versüßen, wie man nach Dr. Darwin unreife Äpfel süß mache, nämlich durch Zerstampfen; wiewohl er sich beim Manne nur auf Prügel einschränke.
Siebzehnte Summula
Bloße Station
Ihr Wirtshaus war ein Posthaus, und zwar glücklicherweise für den Doktor. Denn während der Posthalter sich mit der Mißgeburt abgab: fand jener Gelegenheit, einen dicken unfrankierten Briefwürfel, an sich überschrieben, ungesehen einzustecken als Selb-Briefträger.
Nicht etwa, daß er stehlen wollte – was er am liebsten getan hätte, wäre nicht der unschuldige Posthalter dadurch doppelt schuldig geworden, einmal an Ruf, dann an Geld –, sondern er nahms, um es ehrlich wieder hinzulegen, wenn ers mit zarter Hand aufgemacht, um zu erfahren, was darin sei, und ob der Bettel das Porto verlohne, oder ob er außen auf den Umschlag zu schreiben habe: »retour, wird nicht angenommen.« Vor der Nase des Briefträgers konnt er nicht, ohne zu bezahlen, erbrechen; ob er gleich das Aufmachen, in der Hoffnung, einen recht gelehrten und bloß der Sicherheit wegen unfrankierten Brief zu gewinnen, selten lassen konnte. Indes der Schreck, daß er vor einigen Wochen eine schwere, grobe Briefhülse und Schale aufgeknackt, woraus er für sein Geld nichts herauszuziehen bekommen als die grüne Nuß von einer Pränumerantenwerbung für einen Band poetischer Versuche samt einigen beigelegten, dieser Schreck fuhr ihm bei jedem neuen Briefquader in die Glieder. – Zum Unglück aber war in dem fein geöffneten Brieftestament diesesmal eine herrliche Erbschaft von