Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 36)
im Wasser so lange auf dem Geländer gelitten. Katzenberger neben ihm zeigte mit dem Finger wechselnd auf Männike und den Halloren, als woll er sagen: Pavian, so spring nach! Endlich hielt der Hallore es auch nicht mehr aus – sondern warf seinen halben Habit hinter sich, die Leder-Kappe, – fuhr wie ein Stechfinke auf das Finken-Männchen in seinem Wassergehege – und machte den Sprung auf Männikes Schienbeine herunter, als dieser eben zurückliegend sein Freudenwasser aufwärts spie und, den offnen Himmel im Auge, anfangs gar nicht wußte, was er von der Sache halten sollte, vom Kerl auf seinen Beinen. Aber sein Nebenmann und Badegast zündete eilig Licht in seinem Kopf an, indem er den letzten bei den Haaren nahm und so – die Faust sollte den Raufdegen oder Raufer spielen – geschickt genug das Lusttreffen einleitete. Denn da diese neue Seemacht die Knie als Anker auf Männikes Bauchfell auswarf und zuvörderst die Zitadelle der Festung, nämlich den Kommandanten, d.h. dessen Kopf, besetzt und genommen hatte: so mußte sich für jedes Herz auf der Brücke ein anmutiges Vesperturnier anfangen oder eine flüchtige republikanische Hochzeit, folglich deren Scheidung auf dem nassen Wege. In der Tat prügelte jeder von beiden den andern genug – keiner konnte im lauten Wasser sein eignes Wort hören, geschweige Vernunft; nicht nur nach Lebensluft des Lebens, sogar nach Ehren-Wind der Fama mußten beide schnappen – die schönsten Taten und Stöße entwischten der Geschichte. Glücklicherweise stieß der Hallore und Fluß-Mineur unten auf den Schiebkarren, womit Männike, als auf einem Triumphkarren, vor wenigen Minuten wie ein glänzender Wassermann oder wäßriges Meteor gefahren war und sich von der Brücke hatte mit Lob beregnen lassen. – Der Hallore faßte den Vorspringer und stülpte ihn so abgemessen auf den Karren, daß dessen Gesicht aufs Rad hinaussah und die beiden Beine mit den Zehen auf die Karren-Gabel festgeheftet lagen. So schob er den verdienten Artisten ans Ufer hinaus, wo er erwartete, was die Welt zu seiner Fischgerechtigkeit, Fischer zu fangen, sagen würde.
Die Freude war allgemein; Hr. Männike wünschte während derselben auf dem terminierenden Teller Brückenzoll im schönern Sinne einzufodern; aber die Höfleiner wollten wenig geben. Der Doktor nahm sich der Menge an und sagte: mit Recht! Jeder habe, wie er, bloß dem guten eingepfarrten ansässigen Halloren, ders umsonst getan, zugesehen, weiter keinem; am wenigsten Herrn Männike, dem spätern Nebenregenbogen des Hallensers. »Ich selber«, beschloß er, »gebe am wenigsten, ich bin Fremder.« Da nun das Wenigste nichts ist: so gab er nichts und ging davon; – und der Ketzer-Glaube, gratis zugesehen zu haben, fraß auf der Brücke auffallend um sich.
Neunzehnte Summula
Mondbelustigungen
Auf der kurzen Fahrt nach Fugnitz wurde sehr geschwiegen. Der Edelmann sah den nahen Lunas-Abend mitten im Sonnenlichte schimmern; und der Mondschein mattete sich, aus dieser Seelen-Ferne geschauet, zu einem zweiten, zärtern ab. Theoda sah die niedergehende Sonne an und ihr Vater den Hasen. Die stille Gesellschaft hatte den Schein einer verstimmten; gleichwohl blühte hinter allen äußern Knochen-Gittern ein voller hängender Garten. Woher kommts, daß der Mensch – sogar der selber, der in solchem