Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 40)
von jeher durch alle Handlungen bewiesen, daß ich besser als einer fühle, was Deutschland seinen Regenten schuldig ist, und besonders was die Kleinen, die Ritter und Freien, ihrem Kaiser schuldig sind? Ich müßte ein Schurke sein, wenn ich mich könnte bereden lassen, das zu unterschreiben.
RAT: Und doch haben wir gemessene Ordre, Euch in der Güte zu überreden oder im Entstehungsfall Euch in den Turn zu werfen.
GÖTZ: In Turn? Mich?
RAT: Und daselbst könnt Ihr Euer Schicksal von der Gerechtigkeit erwarten, wenn Ihr es nicht aus den Händen der Gnade empfangen wollt.
GÖTZ: In Turn! Ihr mißbraucht die kaiserliche Gewalt. In Turn! Das ist sein Befehl nicht. Was! mir erst, die Verräter! eine Falle zu stellen und ihren Eid, ihr ritterlich Wort zum Speck drin aufzuhängen! Mir dann ritterlich Gefängnis zusagen und die Zusage wieder brechen!
RAT: Einem Räuber sind wir keine Treue schuldig.
GÖTZ: Trügst du nicht das Ebenbild des Kaisers, das ich in dem gesudeltsten Konterfei verehre, du solltest mir den Räuber fressen oder dran erwürgen! Ich bin in einer ehrlichen Fehd begriffen. Du könntest Gott danken und dich vor der Welt groß machen, wenn du in deinem Leben eine so edle Tat getan hättest, wie die ist, um welcher willen ich gefangensitze.
Rat winkt dem Ratsberrn, der zieht die Schelle.
GÖTZ: Nicht um des ledigen Gewinsts willen, nicht um Land und Leute unbewehrten Kleinen wegzukapern, bin ich ausgezogen. Meinen Jungen zu befreien und mich meiner Haut zu wehren! Seht Ihr was Unrechts dran? Kaiser und Reich hätten unsere Not nicht in ihrem Kopfkissen gefühlt. Ich habe Gott sei Dank noch eine Hand und habe wohl getan, sie zu brauchen.
Bürger treten herein, Stangen in der Hand, Wehren an der Seite.
GÖTZ: Was soll das?
RAT: Ihr wollt nicht hören. Fangt ihn!
GÖTZ: Ist das die Meinung? Wer kein ungrischer Ochsist, komm mir nicht zu nah! Er soll von dieser meiner rechten eisernen Hand eine solche Ohrfeige kriegen, die ihm Kopfweh, Zahnweh und alles Weh der Erden aus dem Grund kurieren soll.
Sie machen sich an ihn, er schlägt den einen zu Boden und reißt einem andern die Wehre von der Seite; sie weichen.
Kommt! Kommt! Es wäre mir angenehm, den Tapfersten unter euch kennenzulernen.
RAT: Gebt Euch!
GÖTZ: Mit dem Schwert in der Hand! Wißt Ihr, daß es jetzt nur an mir läge, mich durch alle diese Hasenjäger durchzuschlagen und das weite Feld zu gewinnen? Aber ich will Euch lehren, wie man Wort hält. Versprecht mir ritterlich Gefängnis, und ich gebe mein Schwert weg und bin wie vorher Euer Gefangener.
RAT: Mit dem Schwert in der Hand wollt Ihr mit dem Kaiser rechten?
GÖTZ: Behüte Gott! Nur mit Euch und Eurer edlen Compagnie. – Ihr könnt nach Hause gehn, gute Leute. Für die Versäumnis kriegt ihr nichts, und zu holen ist hier nichts als Beulen.
RAT: Greift ihn! Gibt euch eure Liebe zu euerm Kaiser nicht mehr Mut?
GÖTZ: Nicht mehr, als ihnen der Kaiser Pflaster gibt, die Wunden zu heilen, die sich ihr Mut holen könnte.
Gerichtsdiener kommt.
GERICHTSDIENER: Eben ruft der Türner: es zieht ein Trupp von mehr als zweihunderten nach der Stadt zu. Unversehens