Ungekürztes Werk "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" von Johann Wolfgang Goethe (Seite 47)
mir, den Vertrag, den ihr mit mir gemacht, schriftlich an alle Haufen zu senden, ihm bei Strafe streng nachzukommen.
WILD: Nun ja! Soll geschehen.
GÖTZ: So verbind ich mich euch auf vier Wochen.
STUMPF: Glück zu! Was du tust, schon' unsern gnädigen Herrn, den Pfalzgrafen.
KOHL leise: Bewacht ihn. Daß niemand mit ihm rede außer eurer Gegenwart.
GÖTZ: Lerse! Kehr zu meiner Frau. Steh ihr bei. Sie soll bald Nachricht von mir haben.
Götz, Stumpf, Georg, Lerse, einige Bauern ab.
Metzler, Link kommen.
METZLER: Was hören wir von einem Vertrag? Was soll der Vertrag?
LINK: Es ist schändlich, so einen Vertrag einzugehen.
KOHL: Wir wissen so gut, was wir wollen, als ihr, und haben zu tun und zu lassen.
WILD: Das Rasen und Brennen und Morden mußte doch einmal aufhören, heut oder morgen; so haben wir noch einen braven Hauptmann dazu gewonnen.
METZLER: Was aufhören! Du Verräter! Warum sind wir da? Uns an unsern Feinden zu rächen, uns emporzuhelfen! – Das hat euch ein Fürstenknecht geraten.
KOHL: Komm, Wild, er ist wie ein Vieh. Ab.
METZLER: Geht nur! Wird euch kein Haufen zustehn. Die Schurken! Link, wir wollen die andern aufhetzen, Miltenberg dort drüben anzünden, und wenn's Händel setzt wegen des Vertrags, schlagen wir den Verträgern zusammen die Köpf ab.
LINK: Wir haben doch den großen Haufen auf unsrer Seite.
Berg und Tal
Eine Mühle in der Tiefe.
Ein Trupp Reiter. Weislingen kommt aus der Mühle mit Franzen und einem Boten.
WEISLINGEN: Mein Pferd! – Ihr habt's den andern Herrn auch angesagt?
BOTE: Wenigstens sieben Fähnlein werden mit Euch eintreffen im Wald hinter Miltenberg. Die Bauern ziehen unten herum. Überall sind Boten ausgeschickt, der ganze Bund wird in kurzem zusammen sein. Fehlen kann's nicht; man sagt, es sei Zwist unter ihnen.
WEISLINGEN: Desto besser! – Franz!
FRANZ: Gnädiger Herr?
WEISLINGEN: Richt es pünktlich aus. Ich bind es dir auf deine Seele. Gib ihr den Brief. Sie soll vom Hof auf mein Schloß! Sogleich! Du sollst sie abreisen sehn und mir's dann melden.
FRANZ: Soll geschehen, wie Ihr befehlt.
WEISLINGEN: Sag ihr, sie soll wollen. Zum Boten: Führt uns nun den nächsten und besten Weg.
BOTE: Wir müssen umziehen. Die Wasser sind von den entsetzlichen Regen alle ausgetreten.
Jagsthausen
Elisabeth. Lerse.
LERSE: Tröstet Euch, gnädige Frau!
ELISABETH: Ach, Lerse, die Tränen stunden ihm in den Augen, wie er Abschied von mir nahm. Es ist grausam, grausam!
LERSE: Er wird zurückkehren.
ELISABETH: Es ist nicht das. Wenn er auszog, rühmlichen Sieg zu erwerben, da war mir's nicht weh ums Herz. Ich freute mich auf seine Rückkunft, vor der mir jetzt bang ist.
LERSE: Ein so edler Mann –
ELISABETH: Nenn ihn nicht so, das macht neu Elend. Die Bösewichter! Sie drohten, ihn zu ermorden und sein Schloß anzuzünden. – Wenn er wiederkommen wird – ich seh ihn finster, finster. Seine Feinde werden lügenhafte Klagartikel schmieden, und er wird nicht sagen können: Nein!
LERSE: Er wird und kann.
ELISABETH: Er hat seinen Bann gebrochen. Sag nein!
LERSE: Nein! Er ward gezwungen; wo ist der Grund, ihn zu verdammen?
ELISABETH: Die Bosheit sucht keine Gründe, nur Ursachen. Er hat sich zu Rebellen, Missetätern, Mördern gesellt, ist an ihrer Spitze gezogen. Sage nein!
LERSE: Laßt ab, Euch zu