Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 54)
Namen Theudobach neben meinem rezensierten Werke finden. Jede andere Erklärung können wir uns an andern Orten geben«, setzte er mit einigen Blicken hinzu, die sehr gut als Funken auf das Zündpulver einer Pistole fallen konnten.
»Sehr gern!« versetzte Nieß, um nur zuerst auf der Adelprobe zu bestehen; aber auf das Vorhergehende konnte er kein Wort zurückgeben vor Überfülle von Antworten. Wer zu viel zu sagen hat, sagt meistens zu wenig. Nieß noch weniger.
Noch habe ich in der »Allgemeinen Weltgeschichte« von Essig und Zopf – die ohnehin mein Fach nicht ist, weil ich vielmehr selber eines in ihm füllen und fodern will – kein rechtes Beispiel (unter so vielen abgesetzten Günstlingen und Königen) aufgetrieben, das einigermaßen dazu taugen könnte, Nießens Falle und Verfalle die gehörige Beleuchtung zu geben, wenn jemand sehen wollte, wie einem Manne zumute gewesen, den man auf einmal vom Musenberge auf die Quartanerbank, vom Throne eines Sonnen-Gottes auf den Altar seiner Opfertiere, die er vermehren soll, oder von Allem zu Nichts herunterwirft – – Gehenkte, auf den Zergliederungstischen erwachend unter dem Messer anstatt im Himmel, sind nichts dagegen.
»O, ich bin stolz!« sagte Nieß und ging davon.
Siebenundzwanzigste Summula
Nachtrag
Keine Seele bekümmerte sich um den davongelaufnen, von seinem Siegwagen herabgepurzelten Deklamator. Doch lachte man ihm allgemein nach. Ein Mann von Belesenheit – wenigstens im Junistück der »Minerva« von 1804, wo die Notiz steht – sagte sehr laut: Nieß hab es mit seinem Namengeben gemacht wie die Einwohner von Nootka, welche Gott den Namen Quautz geben; der Mann hatte verbindlich für Theudobach reden wollen; aber in der Eile war ihm auf der Zunge das Lob in Essig umgeschlagen.
»Fährt man so fort«, sagte ein Korrespondent einer ungelehrten Gesellschaft, »so weiß am Ende keiner von uns, was er geschrieben, und der halbe Meusel sitzt im Sand.« –
Der Hauptmann nahm – mit einer kurzen Entschuldigung, daß er sich seines Geschlechtsnamens so öffentlich angenommen, und mit einer besondern Verbeugung an Theoda – schnell seinen Rückzug; – und die Menschen sahen seinem Kopfe nach.
Ungefähr tausendunddreihundert Siegkränze – folglich gerade so viel, als Theagenes von Thasus in den griechischen Spielen erbeutet – trug er auf seinem Kopfe, seinen Schultern und seinem Rücken davon; – aber warum?
Achtundzwanzigste Summula
Darum
Man hielt ihn für den großen Theater-Dichter, dessen Stücke die meisten gehört. Ich will eine kurze Abschweifung und Summel daranwenden, um zum Vorteil der Bühnen-Dichter zu zeigen, warum sie leichter größere Eitelkeit-Narren werden als ein anderer Autor. Wie fällt erstlich der letzte mit seinen verstreueten Leser-Klausnern – ein wenig verehrt von bloßen gebildeten Menschen – beklatscht in den hundert Meilen fernen Studier-Zimmerchen und zweimal hintereinander gelesen, nicht vierzigmal angehört, wie fällt ein solcher Ruhm-Irus und Johann ohne Land schon ab gegen einen Bühnen-Dichter, der nicht nur diese Lorbeer-Nachlese auch auf dem Kopfe hat, sondern ihr noch die Ernte beifügt, daß der Fürst und der Schornsteinfeger und jedes Geschlecht und Alter seine Gedanken in den Kopf und seinen Namen in den Mund bekommen – daß oft die erbärmlichsten Marktflecken, sobald glücklicherweise ein noch elenderes Maroden-Theater von Groschengaleristen einrückt, sich vor