Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 55)
den knarrenden Triumphkarren vorspannen, worauf jene den Dichter nachführen, so daß, wenn gar der Dichter die Truppe selber dirigiert, er an jedem Orte, wo beide ankommen, den englischen Wahlkandidaten gleicht, die auf vielen Wagen (Lord Fardley auf funfzig) die Wahlmänner für den Sitz im Hause der Gemeinen an den Wahlort bringen lassen. – Noch hundert Vorteile könnt ich vermittelst der Auslaßfigur (figura praeteritionis) anführen, die ich lieber weglasse, solche z.B., daß einen Theaterautor (und oft steht er dabei und hört alles) eine ganze Korporation von Händen gleichsam auf den Händen trägt (daheim hat ihn nur ein Mann in seiner Linken und blättert mit der Rechten verdrießlich) – daß er auswendig gelernt wird, nicht nur von Spielern, sondern am Ende von deren Wiederkehr-Hörern – daß er in allen stehenden, obgleich langweiligen Theaterartikeln der Tag- und Monatblätter stets im selben Blatt von neuem gelobt wird, weil die Bühnen-Schelle immer als Taufglocke seines Namens und das Einbläser-Loch als sein Delphisches Loch wiederkommt. – Woraus noch manches folgt, z.B. daß ein gemeiner Autor, wie z.B. Jünger, ja Kotzebue, länger in seinen gehörten Stücken lebt als in seinen gelesenen Romanen. Daraus erklärt sich die Erscheinung, daß das kalte Deutschland sich für Schiller (und mit Recht, denn es sündigte von jeher nur durch Unterlassen, nie durch Unternehmen) so sehr und so schön anstrengt und für Herder so wenig. Denn mißt der Wert den Dank: so hätte wohl Herder, als der frühere, höhere, vielseitigere Genius, als der orientalisch-griechische, als der Bekämpfer der Schillerschen Reflexion-Poesie durch seine Volklieder, als der Geist, der in alle Wissenschaften formend eingriff, und der nur den Fehler hatte, daß er nicht mit allen Flügeln flog, sondern nur so wie jene Propheten-Gestalten, wovon vier ihn bedeckten und nur zwei erhoben, dieser Tote hätte ein Denkmal nicht neben, sonder über Schiller verdient, wären, wie gedacht, die Komödianten nicht gewesen oder das Publikum nicht, das für die Vielseitigkeit wenig anschließende Seiten mitbringt. Übrigens, wie man lieber von Personen als von Sachen hört, so steht auch der gewöhnlichste Theater-Dichter als ein Nachttisch-Spiegel, der dem Parterre Personen und dieses selber darstellt, schon darum dem Sachen-Dichter, als einem bloßen Juwel, voran, der nur Feuerfarben wirft und unverwüstlich nichts darstellt als sich und das Licht. Übrigens ist dies für uns andere Undramatiker eben kein Unglück; denn wir haben uns ebendarum zum schönen Lose einer leichtern, liebenswürdigen Bescheidenheit Glück zu wünschen, zumal wenn wir berechnen, was aus uns, da jetzo schon ein paar Zeitungen und einige Teetische uns (ich selber kenne mich oft kaum mehr) sichtbar aufblasen, vollends durch das Luftschiff der Bühne für trommelsüchtige Narren geworden wären, so wie Schweinblasen, die schon auf Bergen schwellen, auf Höhen der Luftbälle gar zerplatzen.
Neunundzwanzigste Summula
Herr von Nieß
Er kam nicht zum Abendessen.
Dreissigste Summula
Tischgebet und Suppe
Der Tumult der Erkenn- und Verkennszene mischte die Eßgäste schon auf dem Gange zur Tafel zu bunten Reihen der Freude zusammen. Der Sternenhimmel, Blasmusik und Bäume voll Lampen und hauptsächlich der abends angekommene und mitsoupierende große Mann bezauberte und vereinigte alles. Viele Mädchen, die Nießens Stücke