Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 69)

schmückende außen an sich. Kurz, er gehört zu den Leuten, wovon ich einmal folgendes geträumt. Ich hatte aber vorher gelesen, wie man in Österreich die Kompanien zum Beten so kommandiert: »Stellt euch zum Gebet! – Hergestellt euch zum Gebet! – Kniet nieder zum Gebet! – Auf vom Gebet!« – Da der Flügelmann alle andächtigen Handgriffe deutlich vormacht und früher als die Kompanie sein Herz zu Gott erhebt, dankend oder flehend: so kann kein Kerl aus der ganzen so für die Andacht zugestutzten Kompanie im Beten stolpern ohne eigne Schuld, und falls einer eine Minute länger als der Flügelmann Gott verehrte, so wird er mit Recht vom Offizier zu allen Teufeln verflucht. In mei­nem Traume aber war von einem nähern Anbeten die Rede und waren mehr Kommandowörter in Gang. Ich war zugleich der Offizier und der Flügelmann – die größte Schönheit Baireuths saß auf dem Kanapee – und ich sagte zu meiner Rotte: »Hergestellt euch zum Anbeten! – Kniet nieder zum Anbeten! – Sehnet euch! – Hand geküßt! – Seufzer ausgestoßen! – Tränen vergossen! – Fallt in Verzweiflung! – Ermannt euch! – Aufgelacht! – Aufgestanden!« – Und so hab ich und die Rotte das Roman-Exerzitium siebenmal in so kurzer Zeit durchgemacht, daß wir fertig waren, eh ich erwachte.

Siebenunddreissigste Summula

Neue Mitarbeiter an allem / Bonas Brief an Theoda

Noch immer blieb der Doktor Strykius ungeprügelt – und Theoda voll Sehnsucht nach Bona – und der Hauptmann unentschlossen zur Rei­se: als der Landesherr des Badeorts ankam und mit ihm die Aussicht auf neue scènes à tiroir, auf neue Spektakelstücke und Szenenmaler für diese kleine Bühne; besonders die Aussicht auf die Erleuchtung der Höhle.

»Wird die Höhle erleuchtet«, dachte der Doktor, »so find ich vielleicht einen entlegenen finstern Winkel darin, worin ich den Höhlen-Aufseher (Strykius) vorderhand mit einem Imbiß der zugedachten Henkermahlzeit bewirte; oder mit einem Vorsabbat seines Hexensabbats – dergleichen wäre eben wahre Kriegbefestigung im juridischen Sinne – ja, ein bloßer, im Finstern recht geworfner Stein wäre wenigstens eine Ouvertüre für seinen nicht offenen Kopf. In jedem Falle kann ich bei der Erleuchtung die Knochen der Höhlenbären, die darin liegen sollen, besser suchen und holen; der Kerl bleibt mir ja immer.«

Wirklich wurde die Erleuchtung der Höhle, gleichsam die einer unterirdischen Peterskuppel, auf den nächsten Sonntag angekündigt. Für Theoda nahte das mütterliche Totenfest: »Weiter wollt ich ja hier nichts mehr«, sagte sie.

Vormittags am sehnlich erwarteten Sonntag langte aus Pira zu Fuße der schweiß-bleiche Zoller und Umgelder Mehlhorn mit einem Gevatter-Brief an den Doktor an. Glaubwürdige Zeugnisse hat man zwar nicht in Händen, womit unumstößlich zu beweisen wäre, daß Katzenberger auf seinem Gesichte über diese Freudenbotschaft besondern Jubel, außerordentliche Erntetänze oder Freudenfeuer, mit Freudentränen vermischt, habe sehen lassen; aber so viel weiß man zu seiner Ehre desto gewisser, daß er sich im höchsten Grade anstrengte, (er beruft sich auf jeden, der ihn gesehen), starke Freude zu äußern, nur daß es ihm so leicht nicht wurde, auf die Schwefelpaste seines Gesichts die leichten Rötelzeichnungen eines matten Freudenrots hinzuwerfen: besonders wenn man bedenkt, daß er auf seinem

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