Ungekürztes Werk "Dr. Katzenbergers Badereise" von Jean Paul (Seite 72)
ja niemal zu, daß ihm Dein Herr Vater etwa aus Höflichkeit viel mit Wein zuspricht; Mehlhorns schwacher Kopf verträgt auch den allerschlechtesten Krätzer nicht, den ihm etwa Dein Herr Vater vorsetzen möchte; sondern er spricht darauf ordentlich kurios-stolz und sogar, so sehr er mich auch liebhat, gegen mein Hausregiment, was Dir gewiß nicht lieb über Deine alte Freundin zu hören wäre. – Und Dich wilde Fliege selber beschwör ich hier ordentlich, gieße im Bade vor so vielen Leuten nicht Dein altes Teelöffelchen voll Arrak in Deinen Tee; denn Du hältst immer den Löffel zu lange über der Tasse und gießest fort zu, wenn es schon überläuft, und dann überläuft es bei Dir auch, wenn Du diese Wirtschaft trinkst. Tu es ja nur bei mir, nur nicht dort. – Nun, so komme nur recht schleunig zu
Deiner
Bona
Schreibe mirs wenigstens, im Falle Du nicht kannst. Deine Tanzschuhe hast Du auch stehen lassen, und er hat sie mit eingesteckt.« – So weit der Brief.
Was nun den zu Gevatter gebetenen Katzenberger anlangt, so besaß er zu viel Ehrgefühl und Geld, als daß er sich nicht hätte verpflichtet fühlen sollen, seinen Gevatter an der öffentlichen Wirttafel mit schlechtem Tisch-Krätzer zu erfreuen und ihn eine glänzende Tafel voll Blasmusik abgrasen zu lassen, wo außer Grafen und Herren der Völkerhirt selber saß; so wurde denn ein erster Tisch- oder Fechter-Gang verabredet und angetreten, wohin, denk ich, alles, was in der künftigen Nachwelt Anspruch auf höhere Bildung macht, uns ohne weiteres, wenn auch in bedeutender Ferne (nämlich von Zeit), ohnehin nachfolgen wird.
Achtunddreissigste Summula
Wie Katzenberger seinen Gevatter und andere traktiert
Auch Theoda begab sich wieder an die öffentliche Tafel, nämlich zum letzten Male und an dem Arme des Zollers, der, ganz stolz auf die Ehre einer so vornehmen Nachbarschaft und auf den Schein, weniger der Gast des Vaters als der Wirt der Tochter zu sein, sie an ihren Sessel geleitete. Es ist zweifelhaft, ob ihr Entschluß der öffentlichen Erscheinung bloß von ihrer Gevatter-Freude herkam oder von ihrer Achtung gegen Mehlhorn, der ohne ihre Nachbarschaft nur eine sehr kalte an der väterlichen finden konnte; – oder vom Gedanken der Abreise und vom Aufwachen ihres alten Stolzes; – oder (wer könnt es wissen) vom Wunsche, an der Tafel einen Fürsten zum ersten Male zu erblicken oder gar den Hauptmann Theudobach zum letzten Male, oder von der Aussicht in die abends aufleuchtende Eden-Grotte; – oder aus unbekannten Ursachen; sehr zweifelhaft, sag ich, ist es, aus welcher von so vielen Ursachen ihre Umänderung entsprang, und mein Beweis ist der, daß es wahrscheinlich ist, alle diese Gründe zusammen – samt allen unbekannten – haben mitgewirkt.
Theoda sollte diesmal immer froher werden; noch vor dem Essen sah sie ihren Vater über 100 Vaterunser lang vom Fürsten gehalten und gehört. Der Fürst hörte, wie andere Fürsten, Gelehrte aller Art fast noch lieber und noch länger, als er sie las; vollends einen, der, wie Katzenberger, nicht sein Landeskind, seine Landesplage oder sonst von ihm abhängig war; er befragte ihn besonders über die Heilkräfte des Brunnens. Der Doktor